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Kabarett unterm Gürtel

Von Peter Bochskanl

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Wellen der Empörung über die Ö1-Kabarett-Sendung vom Freitag schwappten bis ins Wochenende. Und dennoch waren sie zu schwach, um dem Zeitgeist mehr als ein Achselzucken abzuringen. Dieser vom johlenden Publikum getragene und von den Radio-Programmierern bediente Zeitgeist hat es eben offensichtlich eher mit der Geschmacklosigkeit. Auch wenn der Kabarettist Ingo Appelt vom ORF schon vorbauend als "Comedy-Rüpel" und "Enfant terrible" angekündigt wurde, fragten sich dennoch viele Hörer, ob ohne die dargebotenen sexistischen Zoten heute keine Lacher erzielt werden können. Sie fanden die Frage, was der Papst unter seinen "Frauenkleidern" trägt, ebenso wenig lustig wie die Masturbations- und Kondom-Witzchen oder Angela Merkel als Orgasmusbremse und den "Sitzenbleiber Wolfgang Schäuble", der deshalb nicht schwul sein könne. Holzhammer statt feiner Klinge, tiefe Töne statt geschliffenem Wortwitz, dumpfe menschenverachtende Attacke unter der Gürtellinie statt intelligenter Kritik sind die Ingredienzien, aus denen viele Kabarettisten heute ihre Programme mixen.

Qualtinger, Bronner und Wehle konnten noch ohne Sexismus zu Lachsalven hinreißen. Bleibt die Frage, ob der Mainstream des heutigen Kabaretts nicht auch Spiegelbild gesellschaftlicher Tendenzen ist. Die Spaßmacher haben ja ausprobiert, womit man "Erfolg" hat. Dennoch wär’s den Versuch wert, nicht immer vor dem Zeitgeist zu kapitulieren, sondern anständig wider seinen Stachel zu löcken.