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"Kaderschmiede für Österreich"

Von Heike Hausensteiner

Wissen

Eine "Europäische Privatuniversität" entsteht im oö. Zell am Moos bei Mondsee. Der Lehrbetrieb soll in zwei Jahren mit dem Wintersemester 2002/2003 aufgenommen werden, rechnen die Betreiber. Das inhaltliche Konzept ist mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Management bereits konkret festgelegt. Vergangene Woche erteilte der Gemeinderat den Sonderwidmungsbescheid für die Bebauung des Areals in Seenähe.


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Eine "Elite", die nicht nur intellektuell hochbegabt ist, sondern auch über eine hohe soziale Kompetenz verfügt - das ist die Zielgruppe der "Europäischen Privatuniversität, erläutert der Ideenstifter und Vorstandsvorsitzende der Betreibergesellschaft, Hans Eicher, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Wirtschaft brauche "Hochleistungsträger". Die durchschnittliche Studiendauer von rund 14 Semestern an den heimischen Universitäten sei aber viel zu lange - bedenke man doch, wie schnell sich das Leben in Zeiten der Globalisierung und der Neuen Medien drehe. Der studierte Wirtschaftspsycholge weiß, wovon er spricht. Eicher war neun Jahre lang Leiter der Personalentwicklung bei Porsche Austria in Salzburg und kann ein Lied singen von der langwierigen Ausleseprozedur, bis an die 300 Bewerber für einen Job gesiebt werden, um den Ansprüchen des Unternehmens gerecht zu werden.

An der Privatuni in Zell am Moos soll das anders werden: Ein selektives Aufnahmeverfahren mit einem bis zu zweiwöchigen "Probestudium" und anschließender Evaluierung soll "den begabtesten Menschen" die Tür zur "Kaderschmiede für Österreich" öffnen. Nach den Vorstellungen von Hans Eicher sollen hundert Studienanfänger pro Jahr aufgenommen und für ausländische Studierende Länderquoten vergeben werden, so dass rund die Hälfte der Studiosi Österreicher bleiben. Jedes EU-Land soll einen Lehrstuhl übernehmen, so dass maximal 14 Institute entstehen. Die EU-Länder können sich aber auch in Form von internationalen Gastprofessuren einbringen. "Wir wollen Europa nach Österreich holen", lautet der Anspruch.

Und was, wenn die EU voraussichtlich bis ca. 2010 auf bis zu 30 Mitgliedsländer angewachsen sein wird? Die Ostländer habe man natürlich im Auge, diese könnten dann Professuren in rotierenden Abständen übernehmen. "Ich will ja nicht die Donaumonarchie bemühen", sagt der "Vater" der "Europäischen Privatuniversität", dennoch würden diese Länder Österreich nahe liegen. Nicht zuletzt sollen Studierende aus den postkommunistischen Ländern angesprochen werden, die sich hochqualifizieren wollen.

Die Internationalität ist ein der "Europäischen Privatuniversität" immanenter Ansatz, der sich klarerweise im Lehrplan wieder findet: Unterrichtssprache ist zwar Deutsch, die Wirtschaftsfächer sind aber in Englisch (in Sachen "E-Commerce" oder "New Economy" im zweiten Studienabschnitt). Zusätzlich gibt es eine zweite Fremdsprache. Der Lehrplan wird von einem international besetzten wissenschaftlichen Beirat erstellt. Damit, so Eicher, "spiegeln wir den Akkreditierungsrat", der über die Anerkennung von Privatunis in Österreich entscheidet. Punkto offizielle Anerkennung ist man daher optimistisch. Hochkarätig besetzt sein dürfte die Liste der Vortragenden, die "aus europäischen Spitzenpositionen" kommen, schwärmt der Vorsitzende der Unibetreiber. Die Namen selbst werden aber noch streng geheim gehalten.

Wer das alles bezahlt? Potente Wirtschaftsinvestoren und die Studierenden selbst. Hans Eicher gibt die Studiengebühr mit 90.000 bis 110.000 Schilling pro Semester an, abhängig von den einlangenden Finanzspritzen von Unternehmen. Die Privatuniversität setzt auf eine enge Kooperation mit der Wirtschaft, die die "Magistri" - ausgestattet mit während des Studiums erworbener Praxiserfahrung - später übernehmen sollen. Zudem könnten die Unternehmen, die in die Uni investieren - erste Zusagen gibt es bereits -, ihre finanzielle Beteiligung in eine "Industriestiftung" einbringen. Und aus den Zinserträgen könnten, ungeachtet der geplanten Stiftungsbesteuerung, Stipendien finanziert werden. Eicher denkt nach US-amerikanischem Beispiel auch an Finanzspar- angebote mit günstigen Kreditkonditionen.

Angst, dass weniger begüterte Studienanfänger von einem Studium an der zukünftigen Elite-Uni abgeschreckt werden könnten, haben die Betreiber also nicht. Eicher rechnet mit 30 bis 40 Stipendien und maximal 300 Studierenden, wenn der Vollbetrieb ab dem Jahr 2006 angelaufen sein wird. "Das ist gerade noch überschaubar und erlaubt eine ausführliche Studentenbetreuung."

Nähere Infos gibt es im Internet unter: www.maksbg.at