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Kafka, Kabuki & Co.

Von David Axmann

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Medienexperten bezeichnen das Fernsehen gern als Spiegel des Lebens. Ein treffendes Bild, zumal an jenen allzu vielen Tagen des Jahres, wo einem auf sämtlichen zur Verfügung stehenden Kanälen nichts als Abgeschmacktes, Aufgewärmtes oder Angebranntes serviert wird. Dann lässt man die Flimmerkiste wohl am besten achtlos und ausgeschaltet links liegen, die mediale Spiegelfunktion zur Mattscheibenmetapher degradierend.

Andererseits vermag das Fernsehprogramm, auch darin dem Leben nacheifernd, in seltenen Glücksfällen gleich eine Fülle von Überraschungen zu bieten, welche allerdings oft (nothing is perfect !) unangenehmer Weise gleichzeitig stattfinden. Ein solcher Fall ereignete sich am letzten Samstag. ORF 2 brachte eine historisch aufschlussreiche Literaturverfilmung: "Mein Vater, meine Frau und meine Geliebte" (Regie: Michael Kreihsl), inspiriert von dem Roman "Der arme Verschwender" des Schriftstellers Ernst Weiß (1882 bis 1940), entwarf ein medizinal-moralisches Sittenbild der österreichischen Gesellschaft aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Der Sender arte präsentierte ein buntes Kulturpanorama, das von Salvador Dalí über die Felsenstädte der Nabatäer bis zum japanischen Kabuki-Theater reichte.

3sat stellte den deutschen Kabarettisten Urban Priol vor und setzte seinen "Kafka-Schwerpunkt" mit einer auf des Autors Briefen und Tagebuchaufzeichnungen basierenden Dokumentation fort. Aber alles eben am selben Abend. (Kafka-Sendungen gibt es noch bis 24. Oktober auf 3sat; heute um 21.45 und 22.25 Uhr.)