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Kakaobohnen des Grauens

Von Edwin Baumgartner

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Kevin Volaček geht nach Hause. Die Geburtstagsfeier seines Freundes ist vor ein paar Minuten zu Ende gegangen. Wolken verhängen den Mond. In der Grünangergasse versperrt ein Mann Kevin den Weg, nicht groß, aber unter dem T-Shirt tanzen die Muskel Mambo. Kevins Magen fühlt sich an wie unter einer Druckerpresse. Kevin weiß, dass er sein Leben jetzt verlieren wird - im besseren Fall. Doch es ist der schlechtere. Denn Kevin steht einem jener menschgewordenen Dämonen gegenüber, von denen man nur im Flüsterton spricht. Milka-Boys nennt man sie. Schon greift diese Ausgeburt der heißesten Hölle in seine Umhängtasche und holt die Lila Pause hervor. Kevin sabbert. Gnadenlos wickelt der Milka-Boy den Schokoriegel aus. Kevin fällt auf die Knie. Er will Widerstand leisten. Doch der Milka-Boy hält ihm die Lila Pause genau vor den Mund. Kevin hat nichts mehr entgegenzusetzen. Er reißt dem Milka-Boy den Schokoriegel aus der Hand und beginnt hemmungslos zu kauen und zu schlucken. Dann verrät Kevin dem Milka-Boy jedes seiner PC-Passwörter von 12Kevin34 bis zu 19Schnucki85.

Die Milka-Boys machen sich bei ihren unheiligen Umtrieben die Erkenntnisse der Wissenschaft zunutze. Die International School of Management in Stuttgart fand nämlich heraus, dass fast die Hälfte der Testpersonen einer Umfrage mit 1200 Teilnehmern bereit war, persönliche Passwörter zu verraten, wenn der Proband unmittelbar vor der Frage nach dem Passwort eine Tafel Schokolade bekommen hat.

Schokolade sollte wirklich nur noch an Inhaber eines Waffenscheins ausgehändigt werden.