Zum Hauptinhalt springen

Kambodscha will Thaksin Unterschlupf gewähren

Von Klaus Huhold

Politik

Brisantes Angebot an thailändischen Ex-Premier. | Offert provoziert Bangkok. | Phnom Penh/Bangkok/Wien. Kambodschas Premier Hun Sen hat einen Schritt gesetzt, der die ohnehin schon angespannten Beziehungen zum Nachbar Thailand weiter belastet: Hun machte dem in Dubai im Exil lebenden thailändischen Ex-Premier Thaksin Shinawatra das Angebot, seinen Wohnsitz nach Kambodscha zu verlegen. "Thaksin ist ein politisches Opfer, und ich bedauere ihn", sagte Hun vor Journalisten.


Das Angebot Huns ist brisant und eine Provokation Richtung Bangkok: Die derzeitige thailändische Regierung und Thaksin sind erbitterte Gegner.

Thaksin war von 2001 bis 2006 Thailands Premier. Er wurde vom Militär gestürzt und danach in Abwesenheit wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt. Für seine zahlreichen Anhänger ist Thaksin ein Opfer politischer Verfolgung, Zehntausende protestieren regelmäßig für den ins Exil geflohenen Ex-Premier. Für seine Gegner und die jetzige Regierung ist der milliardenschwere Geschäftsmann nichts weiter als ein korrupter Emporkömmling, der das Land spaltet.

Kampagne für Rückkehr

Thaksin will wieder an die Spitze der thailändischen Politik zurückkehren. Immer wieder meldet er sich per Videobotschaften in Thailand zu Wort, und seine Anhänger haben sich in der Partei Puea Thai versammelt.

Ein Wohnsitz in Kambodscha würde es Thaksin erheblich erleichtern, seine Kampagne zu führen. Treffen mit seinen Gefolgsleuten könnten schnell organisiert werden, der logistische Aufwand zur Orchestrierung von Aktionen seiner Anhänger wäre wesentlich geringer. Thaksin ließ in einer ersten Reaktion noch offen, ob er Huns Angebot annehmen wird.

Thailands Premier Abhisit Vejjajiva sagte, dass man die Auslieferung Thaksins fordern würde, sollte dieser nach Kambodscha kommen. Sonst vermied Bangkok allzu scharfe Reaktionen. Politische Beobachter sind aber überzeugt, dass der Schritt Huns sowohl bei der Regierung als auch beim Militär in Thailand erheblichen Ärger ausgelöst hat.

Huns Angebot an Thaksin kommt jedenfalls zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen Thailand und Kambodscha schon sehr gereizt sind. Seit Monaten schwelt ein Grenzstreit um einen Tempel aus dem 11. Jahrhundert. Wegen des Konflikts kam es gar schon zu Scharmützeln zwischen den Truppen beider Länder.