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Kamele auf Abwegen

Von Christina Böck

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Aufatmen in Leoben. Dort ist ein adventlicher Entführungsfall gerade noch einmal gut ausgegangen. Das Kamel ist nämlich wieder da. Das war nicht immer so in den vergangenen Tagen in der Krippe am Hauptplatz. Oder, wie der Weihnachtsmarkt-Organisator den Vorfall in nachwirkender Fassungslosigkeit beschrieb: "Halt, das Kamel fehlt!" Nun ist dieser Paarhufer nicht etwa ein handliches Objekt, das man in der Handtasche verschwinden lassen kann. Es handelt sich um ein zwei Meter großes 200-Kilo-Viech. Warum es verlustig gegangen ist, ist nicht klar. Es wurde aber nach fünf Tage langer Absenz auf einem Parkplatz wiedergefunden. Vielleicht hat es nur eine Auszeit gebraucht. Vier Wochen lang dieselbe Gesellschaft kann auch langweilen auf die Dauer. Vor allem, wenn man davon ausgehen kann, dass so ein Ochs und so ein Esel wahrscheinlich auch nicht die offensten Gesprächspartner gegenüber Gästen aus dem Morgenland sind.

Das Kamel folgt dabei aber einem Trend, den eine Umfrage dieser Tage konstatiert hat: dem Trend zum vorweihnachtlichen Seitensprung. Aus dem ewigen Gewohnten keck hinüber zum spannenderen Unbekannten. Drei Viertel der Befragten können sich demzufolge Flirts mit Kollegen auf der Betriebsweihnachtsfeier vorstellen. Gut: Dass die Umfrage von einem Seitensprungportal stammt, dessen Befragtenpool ohnehin schon in eine Richtung tendiert (auf die Seite eben), könnte jetzt die Seriosität der Umfrage ein winziges Bisschen trüben. Aber dass sich auf Weihnachtsfeiern mitunter so manches Kamel aufhält, dafür hätte es eigentlich keine Statistik gebraucht.