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Kampf den Oma-Lampen

Von Christian Rösner

Politik
Bis zu 100 Euro an Stromkosten pro Jahr können alte Lampen verursachen, meint Vassilakou.
© corbis

Wien will bis 2050 Energieverbrauch um 40 Prozent senken.


Wien. "Die Wiener haben den geringsten Energieverbrauch in ganz Österreich", erklärte die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou am Donnerstag bei der Präsentation des aktuellen Energieberichts der Stadt Wien: Verbraucht der Durchschnitts-Wiener pro Kopf und Jahr 4753 Kilowattstunden, sind es im Österreich-Schnitt 7160 Kilowattstunden.

Der Grund dafür ist allerdings mehr den strukturellen Umständen geschuldet als einem nicht zu bändigenden Bedürfnis des Wieners, Energie zu sparen: In der Stadt ist einfach der Anteil der Mehrparteienhäuser viel größer als auf dem Land. Daher sind sowohl die bewohnbare Fläche als auch der Heizwärmebedarf geringer. Dazu kommt noch, dass die Alltagswege in Wien zu 73 Prozent nicht mit dem Auto beschritten werden - 39 Prozent benützen die öffentlichen Verkehrsmittel, 28 Prozent gehen zu Fuß und 6 Prozent fahren mit dem Rad.

Außerdem ist insgesamt gesehen der Energieverbrauch in Wien sehr wohl gestiegen: in den vergangenen 20 Jahren immerhin um 17 Prozent. Das betrifft mit plus 46 Prozent vor allem den Verkehrsbereich. Und es betrifft die Privathaushalte mit einem Plus von 13 Prozent - zum einen, weil immer mehr elektronische Geräte in den Haushalten am Stromnetz hängen; zum anderen, weil noch immer Unmengen an veralteten Gefrierschränken, Geschirrspül- und Waschmaschinen im Einsatz sind.

Das alles trübt aber keineswegs die Freude Vassilakous über das Ergebnis des Energieberichtes. "Wien ist auf einem guten Weg", betont sie. Auch Bernd Vogl, der Leiter der MA20 (Energieplanung), sieht wenig Grund zum Jammern. Immerhin zeichne sich seit den 2000er Jahren im Wiener Gesamtenergieverbrauch eine Stabilisierung ab. "Es ist sogar ein leichter Rückgang zu erkennen." Die Industrie habe sogar einen Rückgang von 10 Prozent zustande gebracht.

Ziele hoch und fern gesteckt

Für Vassilakou ist das Grund genug, hohe Ziele zu stecken: Die Stadt Wien soll der Vizebürgermeisterin zufolge bis 2050 ihren Gesamtenergieverbrauch um 40 Prozent reduzieren und damit die entsprechenden Strategieziele der EU umsetzen. Auch die CO2-Emissionen sollen in diesem Zeitraum um 80 Prozent heruntergefahren werden. Gleichzeitig soll Anteil der erneuerbaren Energieträger um 40 Prozent steigen. Das wären dann rund 15 Prozent, nach einem Anteil von 11 Prozent im Jahr 2011 - 1993 waren es 5 Prozent.

Die Frage, ob dies vor dem Hintergrund des bereits klar verfehlten Kyoto-Ziels überhaupt realistisch sei, bejaht die Vizebürgermeisterin: "Es wird nicht von heute auf morgen gehen, aber vielleicht mit Zwischenzielen." Allein mit der Umsetzung der Maßnahmen des Klimaschutzprogramms Klip II sollen die Pro-Kopf-Emissionen an Treibhausgasen bis 2020 um 21 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Mit Ende 2011 seien durch das Klip bereits 3,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden worden.

Insofern gibt sich Vassilakou optimistisch. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass man hier versuche, eine EU-Empfehlung umzusetzen und kein Gesetz. Es handle sich also um kein Projekt mit konkret terminierten Umsetzungsmaßnahmen, sondern eher um eine Art Road Map als Orientierungshilfe für mögliche politische Zielsetzungen.

"Konkrete Schrauben, an denen man hier drehen kann", sieht Vassilakou etwa darin, den Modal Split weiter in Richtung Rad-, Fußgänger- und Öffi-Verkehr zu steigern. Bereits jetzt besitzen die Wiener in Relation zur Einwohnerzahl die wenigsten Autos im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Vassilakou will auch die thermische Sanierung von Gebäuden weiter vorantreiben sowie die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf Wiens Dächern.

"Stromfresser abschalten"

Und was das Energiesparen betrifft, betont Vassilakou, dass es dabei auf keinen Fall um "Selbstgeißelung" gehe. Es sei kein Komfortverlust, seine Ladegeräte auszustecken, wenn man gerade nicht zu Hause ist. "Es geht einfach darum, Stromfresser abzuschalten oder durch modernere Geräte zu ersetzen. Das reicht vom Standby-Modus des Fernsehgeräts bis zur Oma-Lampe, die vielleicht ganz schön anzuschauen ist, aber bis zu 100 Euro an Stromkosten pro Jahr verursachen kann", meint Vassilakou.

Energiesparkampagne

Um hier mehr Bewusstsein zu erzeugen, leistet sich die Stadt einmal mehr eine Energiesparkampagne, die von 28. Oktober bis 24. November durchgeführt wird. In diesem Zeitraum werden täglich Gutscheine im Wert von 500 Euro inklusive einer Kaufberatung für energieeffiziente Elektrogeräte verlost. Dafür muss auf der Kampagnenhomepage www.energie-gewinnen.at eine Frage zum Energiesparen beantwortet werden. Zusätzlich werden Photovoltaik-Paneele für das Bürger-Solarkraftwerk in Wien-Mitte im Wert von je 950 Euro inklusive 3,1-prozentiger jährlicher Vergütung als Hauptpreis vergeben.

Der bereits zweite Energiebericht der Stadt Wien illustriert diverse Entwicklungen am Energiesektor - vom CO2-Ausstoß über die Ausstattung von Haushalten mit Elektrogeräten bis zum Verbrauch von Klimaanlagen - mittels Tabellen und Grafiken, wobei der Zeitraum zwischen 1993 und 2011 unter die Lupe genommen wurde. Aktuellere Daten waren noch nicht verfügbar. Der gesamte Energiebericht ist unter www.tinyurl.com/ooxb94s abrufbar.