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Kampf der Superlative - und dann?

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Das Wembley-Stadion wird mit 90.000 Zuschauern aus allen Nähten platzen, Millionen Menschen werden vor den TV-Geräten mitfiebern: Der WM-Kampf zwischen Anthony Joshua und Wladimir Klitschko am Samstag (23 Uhr) enthusiasmiert aus vielerlei Gründen die Massen: Jung (27 Jahre im Fall Joshuas) gegen alt (41 Jahre), Olympiasieger und Weltmeister gegen den entthronten Mehrfach-Titelträger, der seinen ersten Kampf nach seiner überraschenden Niederlage gegen Tyson Fury im Herbst 2015 bestreitet. Die Konkurrenten, die früher gemeinsam trainiert haben, konnten sogar auf das übliche Gebelle verzichten, das schon die Ouvertüre großer Kämpfe ansonsten zu bisweilen widerlichen Schlammschlachten entarten lässt. Das Interesse an dem Spektakel, das den Hauptakteuren jeweils rund 20 Millionen Euro und Klitschkos Haus- und Hofsender RTL wieder einmal Topquoten einbringen dürfte, kann aber nicht zu der Schlussfolgerung verleiten, dass die Schwergewichtsszene auf dem Weg der Besserung sei. In England kamen - auch im Sog Olympias 2012 in London - einige talentierte Kräfte nach, im deutschsprachigen Raum sieht es aber eher düster aus. Freilich: Klitschko, der im Doppelpack mit seinem zurückgetretenen Bruder Witali die Branche mehr als ein Jahrzehnt lang dominierte, sich selbst mit Können und Geschäftssinn ein Imperium und dem Boxsport große Aufmerksamkeit beschert hat, zieht immer noch - jetzt, nachdem er gegen Fury gefallen ist, mehr denn je. Doch die Karriere neigt sich nun langsam, aber sicher dem Ende zu. Für die nachfolgende Generation kann dies mangels Zugpferd Fluch und - wegen der Chance, sich selbst ins Rampenlicht durchzuschlagen - Segen zugleich sein.