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Kampf der Währungen

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Die Wirtschaftskrise führt nun zu einem Kampf zwischen den großen Exportnationen und den chronisch überschuldeten Ländern (siehe Gastkommentar von Erhard Fürst Die einen behindern die anderen damit im Aufholprozess.


Wieder einmal werden als Waffe dafür die Währungen eingesetzt: die USA wollen Peking dazu bewegen, die Währung Yuan aufzuwerten, um Chinas Export-Dampfwalze zu stoppen. Sogar der Weg zur Welthandelsorganisation wird dabei erwogen. China verhalte sich protektionistisch, so der Vorwurf.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, immerhin haben die USA gerade EADS (Airbus) ein Milliardengeschäft mit dem amerikanischen Militär rüde gekappt.

Und in Europa reden die Deutschen die Eurozone schlecht, denn der Berliner Exportwirtschaft kommt der schwache Euro sehr entgegen.

Bei den Weltwirtschaftstreffen stellen sich die mächtigen Regierungschefs zwar hin und erklären, dass es keine exzessiven Schwankungen im Währungsgefüge geben möge. Kaum zu Hause, wird allerdings das Gegenteil gelebt.

Ob der freie Welthandel diese Krise überlebt, ist unsicherer denn je. Für kleinere offene Volkswirtschaften wie Österreich sind dies keine guten Nachrichten. Dass die deutsche Industrie alle anderen an die Wand drückt, lässt die Wettbewerbsfähigkeit der anderen noch weiter absacken, ohne dass diese schlechtere Leistungen böten. Fairer Wettbewerb schaut anders aus.

Deutschland, China und den USA muss daher stärker auf die Finger geklopft werden. Die bange Frage lautet: Wer soll das tun? Wer legt sich mit den mächtigsten Ländern der Welt an? Frankreich, Russland, Japan vielleicht - oder besser hoffentlich. Denn derzeit werden die jeweiligen Währungen für sehr egoistische Ziele eingesetzt. Diese Ziele stehen dem gewünschten Ausweg aus der Krise, einer größere Balance der Weltwirtschaft, allerdings diametral entgegen.

Angeblich sind die Zentralbanken ja unabhängig. Es wäre an der Zeit, dass die Chefs von EZB, Fed (USA) und chinesischer Zentralbank klarmachen, dass Währungen das Gleichgewicht befördern sollen, und nicht als Waffe gegen den jeweils anderen gedacht sind.