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Kampf gegen Ölexport

Von Georg Friesenbichler

Politik

Sabotage im Niger-Delta auf weitere Ölfirmen ausgeweitet. | Achtgrößter Exporteur der Welt. | Abuja. Es ist nicht mehr nur der Ölkonzern Shell, gegen den nigerianische Rebellen ihre Angriffe richten. Nach Angaben der neu aufgetauchten "Bewegung zur Emanzipation des Niger-Deltas" wurden auch schon Anlagen der französischen Total und der italienischen Agip angegriffen, auch der US-Konzern Chevron werde demnächst Ziel von Sabotagen sein.


"Unser Ziel ist es, Nigeria daran zu hindern, Öl zu exportieren", heißt es in einem Schreiben der Rebellengruppe. 95 Prozent der Exporteinnahmen des maroden westafrikanischen Landes kommen aus dem Ölhandel. Zusammen mit dem Iran-Konflikt haben diese Auseinandersetzungen in Nigeria wie schon im Oktober 2004 dazu geführt, dass der Ölpreis steigt.

Seit rund einem Monat sind die Rebellen im Südwesten des Landes, wo das Zentrum der Erdölförderung liegt, wieder aktiv. Vier Shell-Mitarbeiter wurden entführt, Dutzende Mitarbeiter und Soldaten getötet und verletzt, Ölpipelines gesprengt.

Die Entführer der Shell-Mitarbeiter verlangten auch die Freilassung des Rebellenführers Mujahid Dokubo-Asari, der aufgrund der Forderung nach Autonomie des Nil-Deltas wegen Hochverrats angeklagt ist. Shell steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt des Konflikts, der sich sowohl um die gerechte Verteilung der Verkaufserlöse als auch um Stammeskonflikte dreht.

Nigeria ist der größte Erdölexporteur Afrikas, der achtgrößte der Welt. Die strategischen Interessen der USA richten sich daher zunehmend auf dieses Land wie auch auf andere ölreiche Staaten der Region.

Die Amerikaner erhoffen sich, die Abhängigkeit von Öl aus dem unsicheren Nahen Osten weiter zu reduzieren. 14 Prozent des US-Ölbedarfs wurden 2005 bereits aus afrikanischen Quellen gedeckt, 2010 sollen es bereits 20 Prozent sein. Öl aus Westafrika bietet zudem den geographischen Vorteil, dass die Transportwege zum amerikanischen Kontinent wesentlich kürzer sind als aus dem Nahen Osten, von wo aus die Tanker entweder Afrika umrunden oder durch den Suez-Kanal und das Mittelmeer müssen.

Dass jetzt auch andere Konzerne als die britisch-niederländische Shell in das Blickfeld der Rebellenmilizen rücken, könnte die US-Pläne empfindlich stören.