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Kampf gegen Textilflut aus China

Von Wolfgang Tucek, Brüssel

Europaarchiv

Einen Stopp der Textilschwemme aus China wünscht die EU-Kommission. Sollten chinesische Selbstbeschränkungsmaßnahmen nicht unmittelbar eingeleitet werden, könnten bereits in zwei Wochen Importbeschränkungen erlassen werden.


Um den seit Anfang des Jahres explodierenden Textilimporten aus China entgegenzutreten, hat die EU-Kommission vor gut zwei Wochen eine offizielle Untersuchung für neun Produktgruppen eingeleitet. Bei T-Shirts und Leinengarn sei nun eine schwere Beeinträchtigung des europäischen Marktes zutage getreten, erklärte Handelskommissar Peter Mandelson gestern in Brüssel. Deshalb leitet die EU-Kommission das Eilverfahren der "formellen Konsultation" mit Peking ein, um den Schaden zu begrenzen. Sollte die chinesische Regierung nicht innerhalb von 15 Tagen "rasche und effiziente" Maßnahmen setzen, könnte die EU umgehend bis Jahresende Importquoten einführen.

Entscheidend dafür sei nicht in erster Linie der Anstieg der Einfuhren, sondern die nachweisbare Marktstörung, erklärte Mandelson. Der Import von T-Shirts habe im ersten Quartal 2005 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 187 Prozent auf 243 Millionen zugenommen, der von Leinengarn um 56 Prozent. Das sind zwar deutlich niedrigere Zuwächse als beim Spitzenreiter Pullover, wo die Einfuhren um 534 Prozent explodiert seien. Allerdings habe sich herausgestellt, dass traditionelle EU-Produzenten bei den beiden betroffenen Kategorien massive Einbußen erlitten haben. Die chinesische Konkurrenz und die um 36 Prozent gesunkenen T-Shirt-Preise haben Portugal dieses Jahr gegenüber dem ersten Quartal 2004 an die 50 Prozent seines Umsatzes gekostet, Griechenland zwölf und Slowenien immerhin noch acht Prozent. In der Leinengarnbranche ging der Umsatz europaweit um 25 Prozent zurück, 13 Prozent der Arbeitplätze in Europa gingen verloren. Am meisten davon betroffen sind Frankreich und Italien, die sich schon vor zwei Wochen für umgehende Eilverfahren einsetzen wollten.

Auch USA begrenzen Import

Explodiert waren die Exporte aus China anfang 2005 nach dem Wegfall der Handelsquoten des Multifaserabkommens von 1974. Laut dem Zusatzabkommen, das China bei seinem WTO-Beitritt 2002 unterzeichnet hat, kann die EU die Importsteigerungen mit 7,5 Prozent pro Jahr vorübergehend begrenzen. Von dieser Möglichkeit haben am Wochenende bereits die USA Gebrauch gemacht. Auf bis zu 15-fache Importe von Baumwoll-Hosen und -Unterwäsche reagierte Handelsminister Carlos Guiterrez mit Sanktionen bis maximal Jahresende. 18.000 US-Textilarbeitsplätze hätten die chinesischen Importe bis dahin gekostet. Wie Mandelson setzt aber auch Guiterrez auf weitere Verhandlungen mit Peking. 2008 läuft das WTO-Zusatzabkommen Chinas aus, spätestens dann können sich seine Konkurrenten nicht mehr hinter Einfuhrquoten verstecken.