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Kampf mit eiserner Faust um Rohstoffe

Von WZ-Korrespondent Mathias Peer

Politik

China versucht, sich den Zugang zu Myanmars Rohstoffen zu sichern. Dabei geht das Land mit rabiaten Methoden vor.


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Bangkok. (ce) Khin Win ist tot, weil sie um ihr Ackerland gekämpft hat. Zwei Tage vor Weihnachten beteiligte sich die Bäuerin aus Myanmar an einem Protest gegen den Ausbau einer Kupfermine durch den chinesischen Bergbaukonzern Wanbao. Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen Dorfbewohnern und der Polizei. Erst feuerten die Sicherheitskräfte Gummigeschosse ab. Später schossen sie mit scharfer Munition. Khin Win wurde in den Kopf getroffen. Sie starb noch am Ort des Geschehens.

Der tragische Vorfall an der Letpadaung-Mine im Norden Myanmars wirft ein Schlaglicht auf die rabiaten Methoden, mit denen China in dem südostasiatischen Land um Rohstoffe kämpft - und dabei von den Behörden unterstützt wird. "Die Regierung hat Menschen gewaltsam vertrieben, alle Versuche des friedlichen Protests niedergeschlagen und einen vollständigen Unwillen an den Tag gelegt, die beteiligten Firmen zur Verantwortung zu ziehen", sagt Meghna Abraham, Aktivistin bei Amnesty International.

Bauern vertrieben

Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Dienstag eine umfassende Untersuchung der Machenschaften in Myanmars Bergbaubranche und erhebt darin schwere Vorwürfe - viele gehen in Richtung China. So habe Wanbao Vertreibungen von Bauern unterstützt, indem das Unternehmen Bulldozer zur Verfügung stellte, mit denen die Felder zerstört wurden. Das Tochterunternehmen des chinesischen Staatskonzerns Norinco betreibt das Letpadaung-Kupferbergwerk gemeinsam dem von Myanmars Militär kontrollierten Konglomerat Unmehl.

Amnesty prangert zudem ein extrem hartes Vorgehen gegen protestierende Anwohner an. Im Jahr 2012 setzten die Einsatzkräfte demnach Phosphorbomben gegen Demonstranten ein. Damit sei gegen internationales Recht verstoßen worden. Die Aktivisten berichten in ihrer Untersuchung von mehr als 100 Verletzten, die zum Teil schwere Brandwunden erlitten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Myanmars Behörden Chinas wirtschaftliche Interessen auch gegen den Widerstand in der eigenen Bevölkerung verteidigen. Vor eineinhalb Jahren nahm eine umstrittene Pipeline ihren Betrieb auf, mit der China die rund 800 Kilometer entfernten Erdgasfelder vor der Küste Myanmars anzapfen kann. Beim Bau des Projekts kam es ebenfalls mehrfach zu Protesten von enteigneten Grundstücksbesitzern, die zu geringe Entschädigungen beklagten. Auch grundsätzliche Kritik war daran zu hören, dass ein Land wie Myanmar, das selbst unter Strommangel leidet, überhaupt Energieträger ins Ausland exportiert.

Die Bevölkerung hat bereits oft vorgeführt bekommen, dass ihr Land vielfach nicht von den Geschäften mit China profitiert.

Milliarden versickern

Die Gewinne versickern zu großen Teilen in undurchsichtigen Kanälen. Das zeigt das Beispiel des Jade-Handels. Die offizielle Statistik weist für die vergangenen drei Jahre durchschnittliche Exporte im Wert von rund 400 Millionen US-Dollar (353 Millionen Euro) pro Jahr aus , die vorwiegend nach China gingen. Forscher der amerikanischen Harvard-Universität untersuchten den Schwarzmarkt und schätzen, dass es sich tatsächlich eher um Geschäfte im Volumen von acht Milliarden Dollar im Jahr handelt.

Unerlaubten Grenzhandel gibt es auch mit Holz aus Myanmars Regenwäldern. Anfang des Jahres wurden mehr als 130 Chinesen im Norden des Landes festgenommen. Ihnen wird illegaler Holzschlag vorgeworfen. Insgesamt dürften noch deutlich mehr Menschen in den Schmuggel involviert gewesen sein: Über 430 Holztransporter wurden beschlagnahmt. "Chinas extreme Nachfrage nach schicken Möbeln treibt den illegalen Handel an", sagte Megan MacInnes, die für die Hilfsorganisation Global Wittness arbeitet.

Kanadische Firma involviert

Chinesische Konzerne sind mit ihrem Vorgehen allerdings nicht alleine. Die kanadische Firma Ivanhoe Mines, später Turquoise Hill Resources, zog sich im Jahr 2011 aus einem Kupferabbau-Projekt zurück. Es wird nun zusammen mit einer burmesischen Militärfirma von dem chinesischen Unternehmen Wanbao betrieben. Die Kanadier hätten von den Vertreibungen gewusst und nichts getan, schreibt Amnesty International. Die Chinesen hätten selbst Bulldozer zur Verfügung gestellt, um Felder der dort ansässigen Bauern zu zerstören.