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Kampf um CO 2 beginnt

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Vorstand fordert um ein Drittel mehr Zertifikate. | Bilanz kann sich sehen lassen. | Wien. Das Stromgeschäft der EVN gedeiht, die Bilanz kann sich sehen lassen. Doch deren Chef Burghard Hofer ist trotz neuer Erfolgsbilanz nicht rundum glücklich. Rechtzeitig vor der Zuteilung neuer Verschmutzungsrechte beschwert er sich über die ungerechte Behandlung beim letzten Mal. So habe der Verbund für das gemeinsam betriebene Kohlekraftwerk Dürnrohr unverständlicherweise um 15 Prozent mehr CO2-Gratiszertifikate einheimsen können.


"Wir mussten um 12,5 Mio. Euro Zertifikate zukaufen, da die 1,3 Mio. Tonnen für die Produktion nicht ausreichten", wettert Hofer.

Beim neuerlichen Verteilkampf möchte die EVN nun Gratiszertifikate für zwei Mio. Tonnen einstreifen. Dies sei im Hinblick auf die Versorgungssicherheit unabdingbar, meint Hofer. Er verweist auf ein Beinahe-Blackout am Montag, das nur durch das Zuschalten von Dürnrohr verhindert werden konnte - aber zum Leidwesen der EVN sind Kohlekraftwerke starke Luftverschmutzer.

Viel besser, so Hofer, sei die Situation in Deutschland, denn dort würden die Verschmutzungsrechte für 14 Jahre gratis vergeben. Deshalb werde die EVN gemeinsam mit der STEAG in der Nähe von Duisburg ein 800 Megawatt-Kohlekraftwerk errichten.

ÖSL: Geteilte Meinungen

Der EVN-Chef ist überzeugt, dass die österreichische Stromlösung (ÖSL) - das Bündnis der ostösterreichischen Versorger mit dem Verbund - in der ersten Hälfte des nächsten Jahres endlich zustande kommt. Bisher seien 95 Prozent der strittigen Punkte abgearbeitet. "Da gibt man nicht mehr auf", zeigt sich Hofer zuversichtlich.

Weniger Verheißungsvolles kommt indes vom Verbund. Dort ist man der Ansicht, in "fundamentalen Punkten überhaupt nicht einig" zu sein.

Gutes Stromgeschäft

Der niederösterreichische Versorger hat im Geschäftsjahr 2004/05 bei Strom kräftig zulegen können: Der Absatz stieg um 52 Prozent und liegt bei 15.883 Gigawattstunden. Die Erlöse erreichten 974 Mio. Euro, ein Plus von 47,7 Prozent.

Weniger erfreulich lief das Gasgeschäft, es gab einen Einbruch: Der Verkauf an Endkunden schrumpfte um 3,8 Prozent. Mit Gashandel konnte die Lücke teilweise wettgemacht werden, sodass der Gesamtverkauf um 1,3 Prozent auf 706,5 Mio. m³ zurückging. In Summe stiegen Umsatz und Gewinn (siehe Grafik). Als guter Griff erwies sich die Beteiligung am bulgarischen Stromverteiler ERP Plovdiv und Stara Zagora. "Bulgarien macht uns Freude," so Hofer. In Zukunft will die EVN dort auch in die Gas- und Wärmeversorgung einsteigen sowie eigene Kraftwerke bauen.