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Kampf um die Klientel ohne Kohle

Von Helene Kurz

Wissen

Studiosi von heute sind die Top-Kundschaft von morgen. | Wien. Ein Konto zum Nulltarif, gratis Kreditkarte oder ein zinsenfreier Kredit zur Finanzierung der Studiengebühren. Obwohl Österreichs Studenten von notorischer Geldnot geplagt werden, zeigen sich die heimischen Banken von ihrer spendablen Seite.


Zu Semesterbeginn liefern sich heimische Geldinstitute eine heiße Werbeschlacht um die Gunst der Studenten. Das Geschäft hat Zukunft, denn die Studiosi von heute sind das Top-Kundensegment von morgen. Reine Nächstenliebe ist diese Zuwendung nicht. Vielmehr steckt eine knallharte Kalkulation dahinter. Haben die Studenten einmal den Titel in der Tasche, werden sie mehr als der Durchschnitt verdienen. Eine lukrative Kundenbeziehung lockt.

Und: Seine Bankverbindung wechselt man ungern. Die Chancen stehen also gut, dass die Uni-Absolventen ihrem Geldinstitut auch nach dem Sponsionstermin treu bleiben. Hinzu kommt, dass Studenten bereits während ihrer Studienzeit berufstätig sind. Im Kampf um die Klientel ohne Kohle setzen Banken auf gezielte Kommunikation und direkte Ansprache.

Auf Kundenfang

Zu Semesterbeginn tummeln sich daher gut gelaunte Berater vor den Toren der Universitäten und gehen auf Kundenfang. Gewinnspiele, Geschenke und sonstige Zuckerl sollen die Top-Kundschaft von morgen frühzeitig binden.

Die Bank Austria (BA-CA) verschenkt Planentaschen, die Raiffeisenbank auf Studenten zugeschnittene Kalender und die Erste Bank ein Semester-Startpaket. In diesem Jahr gibt es wieder einiges zu gewinnen: Die BA-CA verlost Porträtbilder und Turmix Kaffee-Pad-Maschinen, die Erste Bank verschenkt einen Sparbonus sowie eine Weltreise, die Volksbank iPod nanos und die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien 5000 Euro für ein Praktikum.

Die meisten Studienanfänger verfügen bereits über ein eigenes Girokonto oder eine günstige Kreditkarte. E-Banking oder ein Bausparvertrag für die erste eigene Wohnung sind so selbstverständlich wie eine Lebensversicherung oder ein Fonds zur Altersvorsorge. Die Angebote der Banken sind mehr oder weniger austauschbar.

Daher setzen die Geldinstitute vermehrt auf Branding und Image und versuchen die junge Kundschaft in ihrer Sprache anzusprechen: Die Raiffeisenbank hat einen eigenen Online-Shop für Studenten eingerichtet und veranstaltet ein Börsespiel, bei dem jeder Teilnehmer ein virtuelles Startkapital von 36.000 Euro in die Hand gedrückt bekommt, informiert Katharina Wallner von der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Die Erste Bank geht sogar noch weiter: Im Rahmen ihres Absolventenservice bieten sie den Jungakademikern die Möglichkeit, an Seminaren und Bewerbungstrainings teilzunehmen, erklärt Karin Berger von der Erste Bank.

Spesen beachten

Ein Test der Arbeiterkammer (AK) zeigt, dass Kontoführung und Bankomatkarte meist kostenlos sind. Bei einigen Banken werden allerdings Gebühren verrechnet, wenn das Konto überzogen ist. Auch eine Bankomatkarte ist mit im Paket - bei einigen Banken jedoch nur für ein Jahr. Wer sein Konto jedoch permanent überzieht, muss mit erheblichen Zinsen und Spesen rechnen. Positiv: Die Guthabenszinsen sind am Studentenkonto besser als am Gehaltskonto. Bei einer Kontoschließung können allerdings saftige Gebühren anfallen, stellt Christian Prantner von der AK Wien fest. Die AK empfiehlt deshalb, bei der Auswahl des Kontos auf Zinsen, Spesen, Nebenleistungen und Behebungsgrenzen zu achten.