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Kampf um Gas-Kunden eröffnet

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Zwei Tage nach Start der Gasmarktliberalisierung gibt es den ersten alternativen Anbieter. Der Stromdiskonter MyElectric will nun auch im Gasgeschäft punkten und strebt nach Marktführerschaft unter den "Neuen". Durch den bevorstehenden Einstieg der Ruhrgas will sich die Tochter der Salzburg AG von Lieferungen der OMV unabhängig machen. Justizminister Dieter Böhmdorfer warnt vor "unseriösen Keilermethoden" der Gaslieferanten und rät, Angebote genau zu prüfen.


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Der Billig-Stromvertrieb der Salzburg AG startet nun auch als erster und einziger alternativer Gasanbieter. Vor allem im Osten Österreichs - also Wien und Niederösterreich - rechnet sich MyElectric-Geschäftsführer Michael Strebl beste Chancen aus. Innerhalb eines Jahres möchte er rund 3.000 Haushalte mit 6 Mill. m³ Gas versorgen. Beim Strom konnte sich MyElectric als Marktführer unter den Dikontern behaupten: Mit 19.200 Kunden und einem Volumen von 350 GWh liege man sogar über den Erwartungen.

Jetzt rüsten die Salzburger zum Gaspreiskampf. Gegen die Gegner Wiengas und EVN wird mit extrem günstigen Angeboten aufgefahren. Die Grundgebühr beträgt 18,12 Euro pro Jahr, für die Kilowattstunde - die neue Verrechnungseinheit beim Gas, die allerdings erst ab 2005 verbindlich für alle Versorger gilt - sind 1,92 Cent brutto zu bezahlen. Wieviel für einen Kubikmeter anfällt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, da in jedem ein anderer Umrechnungsfaktor gilt. In etwa entspricht ein Kubikmeter Gas 11 Kilowattstunden.

Der Energie-Billigstbieter will mit Kombi-Angeboten punkten. So könne sich laut Strebl ein Wiener Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.500 m³ rund 40 Euro, mit dem Gas & Strom-Kombibonus von 25 Euro insgesamt sogar 65 Euro ersparen. Ein Haushalt, der im Versorgungsgebiet der EVN rund 2.500 m³ pro Jahr verheizt, könne sich 64 Euro ersparen. Ab einer Gasmenge von 200.000 m³ jährlich wird ein Rabatt von 3% gewährt. Den ersten Kunden hat MyElectric schon gewonnen: Der ÖBB-Bahnhof in Wiener Neustadt nimmt 300.000 m³ ab.

Ein besonderes Zuckerl ist die Preisgarantie. Sollte sich der Gaseinstandspreis verändern, so will MyElectric innerhalb des ersten Jahres die Preise nicht hinaufschrauben, versichert Wolfgang Anzengruber, Vorstand der Salzburg AG.

Bei Wiengas und EVN sieht man die neue Gaskonkurrenz noch relativ gelassen. Ob die Energie-Allianz-Tochter künftig auch Gas anbieten wird ist offen. Kritik gibt es allerdings an den hohen Salzburger Netztarifen: Mit diesen würden die Kampfpreise subventioniert. Anzengruber verweist auf den Regulator, der diese ohne weiteres genehmigt hatte: "Wir haben ein neues Netz, und der Ausbau war teuer." Er freut sich jedenfalls auf den neuen MyElectric-Partner Ruhrgas Austria, der mit 25,1% einsteigen wird. 54,9% gehören der Salzburg AG, 20% behält der Verbund. Damit hätte die Salzburg AG einen Trumpf gegen die dominante OMV in der Hand. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 warnt eben vor jener Kooperation. Die Übernahme von Ruhrgas durch den Atomriesen E.On stehe bevor und "damit hätte der saubere Stromanbieter eine schmutzige Mutter."

Warnungen kommen auch vom Justizminister. Er rät beim unerwarteten Besuch von Strom- bzw. Gaskeilern, die Angebote genau zu prüfen und sich Informationsmaterial aushändigen zu lassen. Innerhalb einer Woche könne man vom Vertrag zurücktreten. Abgemahnt wurde Wiengas, weil deren neue Geschäftsbedingungen nicht gesetzeskonform seien.