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Kampf um Schul-Glaspalast

Von Karl Ettinger

Politik

Aktionsgruppe stellt sich in Penzing gegen Bildungsstadtrat und bezweifelt Sanierungskosten.


Wien. Bis zu 1000 Kinder werden im Stadtteil Berresgasse in der Donaustadt ab dem neuen Schuljahr Platz in einem eben errichteten Bildungscampus finden. Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) war am Donnerstag bei einem Lokalaugenschein in der kombinierten Einrichtung mit Kindergarten, Ganztagsvolksschule und neuer Mittelschule. Gleichzeitig sieht er sich jetzt wegen der Anfang Juli getroffenen Entscheidung, die architektonisch gelobte, aber desolate und deswegen bereits nicht mehr genutzte Schule am Kinkplatz in Penzing nicht mehr zu sanieren, mit Widerstand konfrontiert. Eine Aktionsgruppe will mit einer Petition zumindest den Abriss des Glas-Stahl-Schulbaus verhindern.

Das mit einem Architekturpreis ausgezeichnete Schulgebäude des Architekten Helmut Richter ist erst vor 25 Jahren errichtet worden, war wegen seiner Baumängel aber nicht mehr nutzbar. Nach einer neuen Untersuchung hat der Wiener Bildungsstadtrat schließlich vor einem Monat einen Schlussstrich gezogen, weil eine Generalsanierung 55 Millionen Euro gekostet hätte.

Kritiker sprechen von einem Hochschrauben der Kosten

Genau hier hat jetzt die Aktionsgruppe "Bauten in Not", die sich für einen Erhalt des "architektonischen Meisterwerks" einsetzt, mit ihrer von Johannes Zeininger gestarteten Petition ein. Das Personenkomitee bezweifelt die Höhe der Sanierungskosten massiv. Erst durch eine Reihe von Empfehlungen für die Renovierung würden die Kosten auf 46 Millionen Euro hochgeschraubt, argumentieren die Kritiker. Außerdem befürchtet die Aktionsgruppe, dass der Glaspalast bei einer Umsetzung der Empfehlungen "seine Außenerscheinung und räumliche Transparenz" gravierend verändern würde. In der Vergangenheit hatte es in der Glas-Stahl-Konstruktion Wassereintritte etwa im Turnsaal gegeben, Schüler und Lehrer haben die hohen Temperaturen bei Hitze beklagt. Die Betreiber der Petition verweisen hingegen darauf, dass das Stahlbetonskelett des Schulgebäudes am Kinkplatz viel Flexibilität bei der Nutzung der bisherigen Klassen sowie bei der Dreifachturnhalle biete.

Die Schüler sind schon vor längerer Zeit in ein Ausweichquartier in der Nähe ausgesiedelt worden. Czernohorszky hat aber selbst bei der Entscheidung Anfang Juli, wonach er die Sanierungskosten von 55 Millionen Euro nicht verantworten könne, betont, dass ihm die städtebauliche Bedeutung des Gebäudes bewusst sei. Neuigkeiten auch bezüglich einer etwaigen Nachnutzung gibt es seither freilich nicht, wie im Büro des Stadtrats betont wird.

Die Aktionsgruppe lehnt einen Abbruch und Neubau vehement ab. Sie betont, dies käme mit den Abbruchkosten erheblich teurer als eine "denkmalgerechte Sanierung" des Gebäudes. Knapp nach Beginn des neuen Schuljahres wird es am 18. September mit einer Freiluftklasse auch eine Demonstration für die Erhaltung der Helmut-Richter-Schule geben.

Die Stadt Wien setzt hingegen ganz auf das von ihr favorisierte Konzept des Bildungscampus vom Kindergarten bis zur Mittelschule. Zum Vergleich: Die Investitionen für das Projekt Berresgasse werden mit 60 Millionen Euro beziffert. An acht Campus-Standorten wird derzeit gebaut.