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Kampf um Stimmen bis zuletzt

Von Walter Hämmerle

Politik

Auch am Wahltag noch Wahlkampf. | Keine Inserate von FPÖ und BZÖ. | Graz. Die Steiermark hat ihre Erfahrungen mit knappen Resultaten. Im Jahr 1995 machten 2400 Stimmen den Unterschied zwischen ÖVP und SPÖ aus. 1953 war der Abstand mit 2600 Stimmen kaum wirklich größer, nur mit dem Unterschied, dass damals die SPÖ knapp die Nase vorn hatte. An der Mandatsmehrheit für die ÖVP änderte das aber aufgrund des damaligen Wahlrechts auch nichts.


Die 15-Prozent-Kluft zwischen Schwarz und Rot bei den letzten Wahlen 2000 täuscht daher über die wahren Kräfteverhältnisse in der Steiermark: Die Mehrheit der Volkspartei war stets prekär.

Kein Wunder also, dass die Parteien angesichts des prognostizierten knappen Wahlausgangs mit allen Mitteln und bis zuletzt um jede Stimme kämpften. Vorrangiges Mittel zu diesem Zweck waren die steirischen Sonntagszeitungen, die ein letztes Mal in diesem Wahlkampf mit Inseraten der Parteien förmlich zugepflastert waren. Vor allem ÖVP und SPÖ versuchten, die Wähler noch mithilfe der sonntäglichen Frühstückslektüre vor dem Wahlgang von den Vorzügen einer Stimmabgabe für die jeweils eigene Gruppierung zu überzeugen.

Die Botschaften, die in diesen allerletzten Überzeugungsversuchen transportiert wurden, vermittelten noch einmal ein eindringliches Bild dieses an Aufregern reichen Wahlkampfs.

Die ÖVP und Landeshauptfrau Waltraud Klasnic setzten dabei auf die Wirkkraft eines "mea culpa" vor den Wählern. "Affären - behauptete und wirkliche", hieß es da in den großflächigen Einschaltungen, hätten "dem Land Schaden zugefügt: Estag, Spielberg, Herberstein und Hirschmann". Doch anders als ihre Gegner, die sich offensichtlich nicht mehr ihrer Zustimmung zu den einzelnen Regierungsbeschlüssen erinnern könnten, hätte sie, Klasnic, sich stets zu ihrer Verantwortung bekannt.

Quer durch die Zeitungen gestreut finden sich übrigens Anzeigen, die vor einer rot-roten Steiermark und der Rückkehr des Kommunismus warnen. Beides Botschaften, mit denen vor allem die ÖVP ihre Kernklientel für sich zu überzeugen versuchte.

Ganz anders legt es der "Club Voves", das Unterstützungskommittee von SPÖ-Spitzenkandidat Franz Voves, an. In ganzseitigen Inseraten wird hier vor einer Entwicklung wie in Deutschland gewarnt, wo starke Stimmengewinne kleiner Parteien nunmehr eine Regierungsbildung erschweren. Die dringende Botschaft lautet hier: Bitte, liebe Wählerinnen und Wähler, schafft klare Verhältnisse, wählt Voves und nicht FPÖ, Grüne, KPÖ, Hirschmann oder BZÖ.

Dem können naturgemäß die letzten Mobilisierungsversuche der Kleinparteien gar nichts abgewinnen. Entsprechend warben die Grünen mit dem schlichten, aber klaren Sogan: "Die Alternative ist Grün."

KPÖ-Spitzenkandidat Ernest Kaltenegger besinnt sich in seiner Botschaft der christlichen Weisheit, wonach geben seliger als nehmen ist. Und auch Gerhard Hirschmann stellt für seine Liste nochmals klar, was aus seiner Sicht "unverhandelbar" ist, um schwarze Leihstimmen für sich zu gewinnen: "Ja zur ÖVP, Nein zu Klasnic und niemals mit KPÖ."

Inseratenmäßig nicht mehr vertreten in den Sonntagszeitungen waren dagegen FPÖ und BZÖ. Entweder hatten diese bereits alle Hoffnungen auf einen Einzug in den Landtag fahren gelassen oder aber es mangelte schlicht an den dafür unerlässlichen finanziellen Mitteln.