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Kampf um US-arabische Stimmen

Von WZ-Korrespondent Daniel Bischof

Politik

Muslime und arabisch-stämmige Wähler könnten in den Swing-States bei den US-Wahlen ausschlaggebend sein.


Washington. Afroamerikaner, Asiaten, Latinos und andere ethnische Minderheiten: Sie werden laut "Pew Research Center" bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 nahezu ein Drittel der Wählerschaft ausmachen - so viele wie noch nie zuvor. 2012 waren es noch 29 Prozent gewesen. Damit stehen 156 Millionen weiße, nicht-hispanische Wähler 70 Millionen Wählern, die Minderheiten zugerechnet werden, gegenüber. Besonders die Stimmen der afroamerikanischen und hispanischen Wähler standen bisher im Fokus der Politik. Eine andere Wählergruppe wurde weniger behandelt: Muslimische und arabisch-amerikanische Wähler.

"Amerikaner mit arabischem Migrationshintergrund und amerikanische Muslime sind nicht die gleiche Gruppe. Die meisten amerikanischen Muslime sind keine Araber und die meisten Amerikaner mit arabischer Herkunft sind keine Muslime", sagt James Zogby vom "Arab American Institute". Die meisten amerikanischen Muslime seien Afroamerikaner, gefolgt von Südostasiaten und Arabern. Zogby, ein Demokrat, sprach bei einer Diskussionsveranstaltung des "Foreign Press Centers" im Medienzentrum in Philadelphia über die US-Präsidentschaftswahlen und diese beiden Gruppen. Wie viele Muslime es in den USA gebe, wisse keiner so genau, da beim Zensus nicht nach Religionszugehörigkeit gefragt werde. Laut seriösen Schätzungen seien es zwischen 3,5 bis 4,5 Millionen, so Zogby. Dagegen gilt es als gesichert, dass es 3,7 Millionen US-Amerikaner mit arabischem Migrationshintergrund gibt. Diese Wähler könnten in den Swing-States, den umkämpften Bundestaaten, den Unterschied ausmachen und die Wahl entscheiden. "Sie machen knapp fünf Prozent der Wähler in Michigan und zwei Prozent in Virgina und Pennsylvania aus", sagt Maya Berry vom "Arab American Institute".

Republikaner umwerben arabische Christen

"Während der Vorwahlen erzielte Bernie Sanders enorm gute Ergebnisse bei den beiden Gruppen", so Zogby. Sowohl bei Jungen als auch Älteren sei er beliebt. Donald Trump, der während des Wahlkampfs ein Einreiseverbot für Muslime gefordert hatte, habe dagegen viele Wähler verschreckt. Gezielt versuchten die Republikaner nun, bestimmte Gruppen zu gewinnen. Syrische, koptische und irakische Christen würden mit islamophoben Botschaften umworben. Ihnen werde gesagt: "Die Muslime sind die Leute, die euch in euren Heimatländern verfolgt haben und nun hier sind."

Zogby hält das für ein gefährliches Spiel: "Wir wollen die Spannungen aus dem Mittleren Osten nicht nach Amerika bringen." Auch die Bewegung "Muslims for Trump" gingen auf Stimmenfang für die Republikaner. Zustimmung ernte Trump bei manchen Teilen der Gemeinschaft mit seinem Versprechen, eine isolationistische Außenpolitik zu betreiben. "Etwa bei Menschen, die keinen Sieg der Opposition in Syrien wollen oder nach den Erfahrungen der Bush-Regierung Isolation für den richtigen Weg halten." Amerikaner mit arabischer Herkunft tendierten in den 1990ern immer leicht zu den Demokraten - in Umfragen hatten die Demokraten konstant mit zwei bis fünf Prozentpunkten vor den Republikaner geführt.

In den 2000er Jahren habe sich das geändert. In den Umfragen zu den vergangenen drei Wahlen hatten 65 bis 70 Prozent angegeben, für die Demokraten gestimmt zu haben. Der Grund: Die neu ankommenden arabischen Immigranten, sowohl Christen als auch Muslime, fühlten sich mehr von der Demokratischen Partei vertreten. Die Muslime unter ihnen seien zudem von der Politik des ehemaligen Präsidenten George W. Bush abgeschreckt worden.

Generell gebe es mit Muslimen und Amerikanern arabischer Herkunft in den USA weniger Probleme als in Europa. "Das hängt damit zusammen, dass die Muslime die USA als willkommensfreudige Gesellschaft aufnehmen - trotz der Rhetorik von Donald Trump. Es gibt nicht das Klima in Europa, wo Immigranten drei Generationen später noch in den Slums außerhalb von Paris leben", so Zogby. In den USA sei der soziale Aufstieg leichter.

Für die kommenden Wahlen prognostiziert er: "Sie wird sich nicht sehr von früheren Wahlen unterscheiden. Clinton wird es nicht schaffen, den Abstand zu den Republikanern zu vergrößern. Teile des linken Flügels werden vielleicht die grüne Kandidatin Jill Stein wählen. Aber: Die Demokraten werden gute Ergebnisse erzielen, die Republikaner hingegen nicht - trotz ihrer Versuche."

www.wienerzeitung.at/uswahl2016