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Kämpfer gegen die Troika: Anel-Chef Panos Kammenos

Von WZ-Korrespondent Ferry Batzoglou

Politik
Neuer Regierungskoalitionär in Athen: Panos Kammenos.

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Athen. Viel hat Panos Kammenos mit seinem künftigen Koalitionspartner, dem neuen griechischen Premier Alexis Tsipras, nicht gemeinsam, möchte man meinen. Kammenos, 49, bullige Statur, stets mit Anzug und Krawatte, fünf Kinder, ist einer, der gerne laut redet, in seiner Polit-Karriere schon viel hat einstecken müssen, aber auch gerne austeilt, eine zuletzt ausgesprochene Klagefreudigkeit inklusive.

Schon seit 1993 sitzt der gebürtige Athener im griechischen Parlament. Bis zum Februar 2012 gehörte er der konservativen Nea Dimokratia (ND) an. Der Ökonom mit Studien in Frankreich und der Schweiz fungierte im Jahr 2009 unter dem damaligen ND-Regierungschef Kostas Karamanlis als Vizeminister für Handelsschifffahrt, Ägäis und Inselpolitik. Dies war sein bisher einziger Regierungsposten.

Wegen seinem scharfen Protest gegen die Fortsetzung des Austeritätskurses in Athen schloss ihn ND-Chef Antonis Samaras im Februar 2012 aus der Partei aus. Kammenos, nach seinem Rauswurf unabhängiger Angeordneter in Athen, gab jedoch nicht auf. Prompt gründete der passionierte Nutzer von Sozialmedien wie Facebook und Twitter die "Unabhängigen Griechen" ("Anel"). Erstmals in der Parteiengeschichte Griechenlands geschah dies via Internet.

Auf Anhieb schafften Kammenos und Co. und ihre "Internet-Partei" bei den Parlamentswahlen im Mai 2012 den Einzug ins Athener Parlament. Und auch bei der jüngsten Wahl am Sonntag erhielt die Anel-Bewegung 4,8 Prozent.

In der Wirtschaftspolitik ist die Anel-Partei ausgesprochen marktliberal ausgerichtet, fordert massive Steuersenkungen für Unternehmen. In der Außenpolitik, etwa den griechisch-türkischen Beziehungen, vertreten die Unabhängiggen Griechen betont patriotische Positionen. Zudem positionierte sich die Partei des bekennenden orthodoxen Christen Kammenos in der Europapolitik als erklärte Anti-Föderalisten.

Trotz diverser "roten Linien", insbesondere in der Außenpolitik und der Rolle der Kirche in Griechenland, welche laut Kammenos in einer Regierungskoalition mit Syriza nicht überschritten werden dürften, verstehen sich Kammenos und der der linksradikale, für ein föderales Europa eintretende Tsipras, der zudem ein bekennender Atheist ist, außerordentlich gut.

Politisch eint sie der Widerstand gegen die "Fremdherrscher" in Athen, konkret Griechenlands öffentliche Gläubiger-Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds. Sie hätten seit dem Frühling 2010 die Griechen unterjocht und einem desaströsen Austeritätsdiktat unterzogen, so die gemeinsame Lesart.

In der Rhetorik gegen die Troika und insbesondere Berlin schlägt Kammenos sogar noch schärfere Töne als Tsipras an. Für beide gilt es jedenfalls, die verhasste Troika zu Füssen der Akropolis lieber gestern als heute abzuschütteln. Dies ist der gemeinsame Nenner zwischen den "Unabhängigen Griechen" und Syriza. Und zumindest im Augenblick reicht dies für die Bildung einer Koalition in Athen völlig aus.