Zum Hauptinhalt springen

Kanada trauert um seinen langjährigen Premier

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Montreal - "Ich werde all meine Kraft gebrauchen, um einem in einer rauhen Welt lebenden Volk eine gerechte Gesellschaft zu errichten." Mit diesen Worten umschrieb der Donnerstag kurz vor seinem 81. Geburtstag einem Krebsleiden erlegene langjährige kanadische Premierminister Pierre Elliott Trudeau am 7. April 1968 nach seiner Wahl zum Parteichef der Liberalen sein politisches Credo.


Der am 18. Oktober 1919 in Montreal als Sohn eines französisch-kanadischen Rechtsanwalts und einer anglokanadischen, aus Schottland stammenden Mutter geborene Trudeau stand insgesamt mehr als 15 Jahre an der Spitze der kanadischen Regierung und galt als Musterbeispiel dafür, wie man die kulturelle Kluft zwischen anglo- und frankophoner Welt in seiner Heimat überwinden kann.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Montreal wurde er 1943 in der Provinz Quebec bei Gericht zugelassen und setzte später seine Studien in Harvard, Paris und London in den Fächern Wirtschaftswissenschaften und Politologie fort. Ende der 40er-Jahre trampte er durch 20 Länder auf drei Kontinenten und besuchte u.a. auch die Sowjetunion und China.

Seine berufliche Laufbahn startete Trudeau 1949 als Wirtschaftsberater im Büro des Regierungschefs in Ottawa. Anschließend arbeitete er als Anwalt. 1961 wurde er Professor für Verfassungs- und Zivilrecht an der Universität von Montreal. 1965 schloss er sich der Liberalen Partei an, die er auch im Parlament vertrat, wurde ein Jahr später parlamentarischer Sekretär von Ministerpräsident Pearson und schließlich 1967 Generalstaatsanwalt und Justizminister. Am 6. April 1968 wurde er zum neuen liberalen Parteichef gewählt und löste Pearson am 22. April als Premierminister ab. Die am 25. Juni dieses Jahres angesetzten Wahlen wurden zu einem persönlichen Triumph für Trudeau, der eine deutliche absolute Mehrheit errang. Trudeau setzte neue außenpolitische Schwerpunkte in Afrika und Lateinamerika, setzte die Anerkennung Chinas durch und besuchte im Mai 1971 die Sowjetunion.

Innenpolitisch setzte er gesellschaftspolitische Reformen durch, musste sich aber mit der wirtschaftlichen Dominanz der US-Konzerne und wachsender Inflation herumzuschlagen. Seine Partei verlor deshalb auch bei den Wahlen am 30. November 1972 die absolute Mehrheit, Trudeau blieb aber mit Hilfe kleinerer Parteien Regierungschef. Im Mai 1974 wurde er durch ein Mißtrauensvotum der Konservativen gestürzt, stieg jedoch bei den Wahlen im Juli dieses Jahres wie der Phönix aus der Asche. Die wirtschaftlichen Probleme der folgenden Jahre dämpften seine Popularität und bei den Wahlen am 22. Mai 1979 wurde er vom Chef der Progressiv-Konservativen Partei, Joe Clark, abgelöst, der jedoch nur bis Ende des Jahres im Amt blieb. Bei den vorgezogenen Wahlen am 18. Februar 1980 erreichte Trudeau noch einmal die absolute Mehrheit und stand bis Februar 1984 neuerlich an der Spitze der Regierung. Seine Partei wurde aber bei den Wahlen im Herbst 1984 vernichtend geschlagen.

Trudeau, der 1971 die damals 22-jährige Margaret Sinclair geheiratet hatte, mit der er drei Söhne hatte, zog sich aus der Politik zurück. Zuvor hatte seine 1984 geschiedene Ehe immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Im Vorjahr starb einer seiner Söhne bei einem Lawinenunglück.