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Kandidatenreigen von französischer Ministerin bis zu US-Investmentbanker

Von Wolfgang Tucek und Helmut Dité

Wirtschaft

Stellvertreter scheidet im August. | Kommt erstmals kein Europäer? | Washington/Brüssel. Einig sind sich alle, dass die Tage von Dominique Strauss-Kahn im IWF gezählt sind, umgehend begannen die Spekulationen über mögliche Nachfolger.


Speziell während der gegenwärtigen Schuldenkrise einigen Euro- und EU-Ländern wollen die Europäer zumindest noch einmal die jahrzehntelang gepflegte bisherige Tradition - Weltbank gehört den USA, Währungsfonds den Europäern - fortsetzen. Deutlich machte dieses Ansinnen bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zwar "in mittlerer Frist" durchaus die Zeit für einen Kandidaten aus einem Schwellenland kommen sieht - nur halt eben jetzt noch nicht. Merkels Koalitionspartner in Berlin, die FDP, brachte prompt Axel Weber ins Spiel - doch der Ex-Bundesbankpräsident hatte auch schon als Gegenkandidat für Mario Draghi bei der EZB nicht antreten wollen. Ex-SPD-Finanzminister Peer Steinbrück genießt zwar hohes Ansehen, hat sich aber wohl einmal zu oft mit Frankreichs Nicolas Sarkozy angelegt.

Als aussichtsreiche Kandidatin für den IWF-Job wurde daher in Brüssel bisher die französische Finanzministerin Christine Lagarde genannt, falls es denn tatsächlich wieder ein EU-Vertreter wird.

Bekannt ist zwar, dass wohl auch der ehemalige britische Labour-Premier und -Finanzminister Gordon Brown den Posten gerne übernehmen würde. Er soll dafür aber keinerlei Rückendeckung des derzeitigen Premiers David Cameron von den Tories haben.

Recht bunt ist dagegen der Reigen der möglichen Nicht-EU-Kandidaten. So brachte die "Financial Times" den früheren türkischen Finanzminister Kemal Dervis als Favoriten ins Spiel, der sein Land zu Beginn des Jahrtausends vor dem Bankrott bewahrt habe und über UNO-Hintergrund verfügt.

Auch Agustin Carstens (52), Präsident der mexikanischen Zentralbank, wird als möglicher Kandidat genannt. Der bekannte Finanzexperte Mohamed El-Erian (52), der gegenwärtig die gigantische Investmentfirma Pimco leitet, könnte sich allerdings in seinem Job wohler fühlen als an der Spitze des IWF, schätzt Reuters in einem Blog.

Dort wird auch der frühere südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel (55) als potentieller Teilnehmer im Rennen um die Nachfolge von Strauss-Kahn genannt. Chancen werden auch dem einflussreichen Wirtschaftsberater des indischen Premiers Manmohan Singh, Montek Singh Ahluwlia, eingeräumt. Seine Karriere hatte der heute 67jährige Ökonom bei der Weltbank und später dem IWF begonnen.

Lipsky nur bis August

Die bisherige Nummer zwei des Internationalen Währungsfonds (IWF), der promovierte Volkswirt und langjährige Investmentbanker bei JP Morgan, ist seit September 2006 Stellvertreter Strauss-Kahns und hatte schon vor seiner Zeit als Investmentbanker bis 1984 zehn Jahre lang in Diensten des IWF. Seine Amtszeit endet nach fünf Jahren am 31. August. Er hatte Anfang des Monats angekündigt, den Posten zur Verfügung zu stellen. Allerdings hat Strauss-Kahn Lipsky gebeten, als Sonderbeauftragter auch nach Ablauf seiner Amtszeit weiter für den IWF zu arbeiten.

Es gilt auch als Lipskys Verdienst, dass das Profil des IWF vor allem während der Finanzkrise von 2007 bis 2009 geschärft wurde. Auch für seine Arbeit bei den Verhandlungen über Rettungspakete für Griechenland, Irland und Portugal im Zuge der europäischen Schuldenkrise erhielt er Bestnoten.