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Kann der AUA-Verkauf wegen der Bankenkrise noch kippen?

Von Karl Leban

Wirtschaft

In Sachen AUA soll in weniger als vier Wochen feststehen, wen die Staatsholding ÖIAG als strategischen Partner an Bord holt. Ob es dazu nach den jüngsten Auswüchsen der globalen Bankenkrise kommt, bleibt freilich abzuwarten.


Für die ÖIAG ist der Verkauf ihrer Anteile, der den Weg für eine mehrheitliche Übernahme der defizitären AUA freimachen soll, jedenfalls zur Zitterpartie geworden - vor allem wegen der noch ausständigen Preisgebote der drei Brautwerber Air France, Lufthansa und S7 Airlines. Denn die könnten am Ende des Tages für lange Gesichter bei den ÖIAG-Granden sorgen.

Knausern die Bieter beim Preis allzu sehr (was angesichts der zugespitzten Finanzkrise auch nicht überraschen würde), wäre das Dilemma perfekt. In diesem Fall könnte die Privatisierung sogar gestoppt und auf einen späteren Termin verschoben werden. Analysten schließen das hinter vorgehaltener Hand nicht aus.

Im Moment sind die Aussichten auf den Kreditmärkten mehr denn je ungewiss. Und das macht es für alle Unternehmen - so auch für die AUA-Bieter - schwierig, große Finanzierungen überhaupt auf die Beine zu stellen. Die Banken zieren sich.

Der große Knackpunkt

Außerdem sitzt die AUA auf einem hohen Schuldenberg von gut 1,1 Milliarden Euro. Wer sich einen solchen Brocken in die Bilanz nehmen will, muss gerade jetzt aufgrund der Finanz- und Bankenkrise mit deutlich höheren Zinslasten rechnen. Die stolzen Schulden der AUA würden nämlich seine Bonität und damit auch die Konditionen für künftige Kredite wohl verschlechtern. Die Lufthansa etwa zählt zu den wenigen weltweiten Fluglinien mit dem guten Rating "Investment Grade" - und dieses würde bei einer zu teuren Übernahme der AUA ins Wackeln geraten.

Eine Reihe von Analysten geht denn auch davon aus, dass die Turbulenzen in der Finanzwelt den Preis - die ÖIAG erhofft sich einen ordentlichen - stark schmälern könnten: "In diesem rauhen Umfeld hat einfach niemand Geld zu verschenken."

Auch an der Börse dürfte sich diese Meinung zuletzt verfestigt haben, obwohl die AUA-Aktie am Mittwoch um satte 7,5 Prozent nach oben schoss. Denn unterm Strich ging es mit dem Titel in den letzten Wochen steil bergab, nachdem die Euphorie über die Privatisierung den Kurs ab Mitte Juli von 2,13 Euro (Allzeittief) in kurzer Zeit auf 7,10 Euro mehr als verdreifacht hatte. Derzeit notiert das Papier mit 4,90 Euro rund 30 Prozent unter seinem zuvor erklommenen Jahreshoch.

Die magische Marke

Die ÖIAG hat ihre AUA-Aktien aber just mit 7,10 Euro in den Büchern - was für sie beim Verkauf auch die magische Marke sein dürfte. Zu diesem Preis müsste derjenige, der bereit ist, ihn zu zahlen, in Summe bis zu 470 Millionen Euro flüssig machen. Diese Summe ergibt sich daraus, dass ein mehrheitlicher Einstieg einer Airline (Kauf von ÖIAG-Anteilen nebst Übernahmeangebot an den Streubesitz) mit 75 Prozent abzüglich einer Aktie limitiert ist. Laut Privatisierungsauftrag müssen zumindest 25 Prozent plus eine Aktie in österreichischer Hand bleiben.

analyse@wienerzeitung.at