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Kann Österreich von Finnland lernen?

Von Veronika Gasser

Politik

Kann Österreich von Finnland lernen? Das war die Frage einer Veranstaltung des Renner-Instituts und der AK zum Thema bessere Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt. Denn Finnland hat es in den letzten fünf Jahren mit nationaler Kraftanstrengung geschafft, die Arbeitssituation der über 45-Jährigen massiv zu verbessern und diese in Beschäftigung zu bringen.


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Finnland ist mittlerweile Vorbild für den ganzen EU-Raum. Denn die Erwerbsqote der 55- bis 65-Jährigen stieg von 1996 bis 2000 von 36,2 auf 42,7 Prozent. In Österreich sank die Quote im gleichen Zeitraum von 29,1 auf 28,9 Prozent.

Auslöser für das finnische "Arbeitsmarktwunder" war ein nationales Aktionsprogramm für Ältere. Zuerst galt es, Bilder zu korrigieren und gegen Vorurteile anzukämpfen. Kampagnen bewarben Alter als Quell vielfältiger Möglichkeiten. Pensions-, Arbeits- und Sozialrecht wurden geändert, flankiert von gesundheits- und bildungspolitischen Maßnahmen. Die vorgezogene Rente von 55 auf 58 Jahre angehoben, gleichzeitig aber das Alter für Teilrente von 60 auf 58 Jahre herabgesetzt. Die Kritierien für Arbeitslosenpension wurden verschärft, für manche wurde der Zugang aber erleichtet. Es ist dadurch nun möglich, fünf Jahre Arbeitslosengeld zu beziehen, bevor man in die Pension gleitet, erläutert der finnische Arbeitsmarkt-Spezialist Sihto Matti die Nachteile. "Entscheidend für den Erfolg des finnischen Wegs ist, dass er von allen gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam beschritten wurde." Das Konzept umfasste auch verstärktes Augenmerk auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Den Bedürfnissen älterer Arbeitnehmer wurde durch flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit Rechnung getragen. Erst jetzt, nachdem das Programm wirkt, beginnt die finnische Regierung mit der Pensionsreform.

Bis 2006 werden in Österreich 49 Prozent der Beschäftigten über 40 Jahre sein, um 214.000 mehr als 2001. Die Arbeitnehmervertreter sind mit Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung einig, dass eine integrierte Gesamtstrategie zur Schaffung einer altersgerechten Arbeitswelt notwendig ist. Dwora Stein, stv. Bundesgeschäftsführerin der Gewerkschaft der Privatangestellten, fordert angesichts der Pensionsreformpläne von der Regierung vorangehende Maßnahmen. "Diese erst im Nachhinein zu überlegen, ist zu spät."

Denn laut AK wären nach Abschaffung der Frühpension 132.000 zusätzliche Arbeitsplätze erforderlich. "Diese zu errichten, ist bei gleichbleibender Konjunktur unbewältigbar," erläutert AK-Sozialexpertin Gabriele Schmid.