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Kapitalerhöhung platziert: Uniqa vergrault ihren Mini-Streubesitz

Von Karl Leban

Wirtschaft

Fixpreis für die neuen Aktien mehrere Prozent über dem aktuellen Börsenkurs.


Wien. Die Orderbücher der Banken sind nun zu: Am Donnerstag hat der heimische Versicherungsriese Uniqa seine Kapitalerhöhung - sie lief gut zwei Wochen - abgeschlossen. Die Emission spülte wie geplant 500 Millionen Euro in die Kassen und war heuer überhaupt die erste größere Emission an der Wiener Börse.

Dass alle 47,6 Millionen neuen Aktien einen Käufer finden, stand schon vor Beginn der Zeichnungsfrist fest. Denn von den kontrollierenden Aktionären rund um Raiffeisen hatte es geheißen, sie würden ihre Bezugsrechte nicht nur selbst voll ausüben, sondern auch sämtliche, vom Streubesitz nicht gezeichneten Aktien aufgreifen.

Trotz der zur Gänze platzierten Kapitalerhöhung bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Jene Kleinaktionäre, die bei Beginn der Zeichnungsfrist (28. Juni) Aktien geordert haben, fühlen sich nämlich im Nachhinein über den Tisch gezogen (bei der "Wiener Zeitung" gingen mehrere Anrufe verärgerter Anleger ein). Der Grund: Der zu zahlende Fixpreis von 10,50 Euro je Stück, der noch Ende Juni unter dem Börsenkurs lag, liegt seit Tagen nun deutlich darüber - um rund vier Prozent. Hätte man also an der Börse zugekauft, statt die jungen Aktien zu zeichnen, wäre das billiger gewesen.

Zweiter Börsengang 2013

Die Uniqa verteidigt ihr Fixpreisverfahren, das sonst bei Kapitalerhöhungen als eher unüblich gilt: "Wir haben den Bezugspreis vorab festgelegt, damit die Transaktion von dem absehbar volatilen Marktumfeld nicht beeinträchtigt wird." Heißt im Klartext: Mit dem Preis von je 10,50 Euro sollten bei den Aktionären genau 500 Millionen Euro abgerufen werden. Wäre der Preis erst nach der Zeichnungsfrist fixiert worden, hätte es sein können, dass diese Zielmarke aufgrund möglicher Börsenturbulenzen deutlich verfehlt wird.

Im vergangenen Jahr war der Kapitalpolster des Konzerns nach einem Verlust von fast 326 Millionen Euro um ungefähr ein Drittel auf rund eine Milliarde Euro geschmolzen. Die jetzige Geldzufuhr war aus Sicht des Uniqa-Chefs Andreas Brandstetter notwendig, andernfalls hätten seine ehrgeizigen Wachstumspläne für Osteuropa zurückgefahren werden müssen. Mit dem frischen Kapital will die Uniqa allfällige Akquisitionen, aber auch Vertriebsoffensiven finanzieren.

Möglichst 2013 soll die Börse nochmals angezapft werden, um in Osteuropa bis 2015 vom siebenten auf den fünften Platz vorrücken zu können. Diese Emission spielt sich dann wohl in Milliardenhöhe ab. Geplant ist sie als zweiter Börsengang, bei dem sich die Hauptgesellschafter auf bis zu 51 Prozent zurückziehen wollen (zugunsten eines deutlich höheren Streubesitzes, der aktuell nur fünf bis zehn Prozent beträgt).