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Kapselhersteller bitten zur Teestunde

Von Claudia Peintner und Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Eine Tasse aus den Kapseln kostet ein bis drei Euro. | Tpresso wagt sich ins Land mit der größten Teeproduktion. | Zürich/Wien. China bangt um den Fortbestand seiner Jahrtausende alten Teetradition. Die karriereorientierte Jugend von heute nehme sich nicht mehr die Zeit für das "10-Minuten-Zeremoniell", beklagt die ältere Generation. Ausgerechnet ein neues Lifestyleprodukt soll nun die alten Wurzeln wiederbeleben: Der Erfinder der Nespresso-Kaffeekapseln, Eric Favre, will mit Teekapseln den chinesischen Markt erobern.


Hinter Tpresso steht Favres Unternehmen Monodor, das er 1991 nach seinem Ausstieg aus der Nestle-Marke Nespresso gründete. Monodor vertreibt Kapseln mit Kaffee und Kakao aus Polypropylen, einem Kunststoff, der nach Firmenangaben ohne schädliche Rückstände verbrannt werden kann. Andere Kapseln bestehen aus Aluminium. Die ersten Hightech-Teemaschinen, die angeblich die richtige Zubereitungstemperatur und den Erhalt der Aromen garantieren, kommen ab April auf den asiatischen Markt.

Luxus für aufstrebende Oberschicht in China

Beim Teekapsel-Set handle es sich um ein Luxusprodukt für die aufstrebende Oberschicht in China, sagte Favre diese Woche bei der Präsentation in der Schweiz. Demnach sollen die Teesorten aus erlesenen chinesischen Gärten und der indischen Darjeeling-Region auch nur in exquisiten Hotels, Nobelkaufhäusern und bei Luxusauto-Verkäufern erhältlich sein. Der stattliche Preis: Rund 635 Euro für ein Set aus Maschine, Teegläsern und Kapseln. Umgerechnet kostet eine Tasse schneller Teegenuss für zu Hause laut Tpresso somit zwischen einem und drei Euro.

In Europa startete bereits der Konsumgüterriese Nestle im Vorjahr einen Probelauf für Teekapseln - vorläufig jedoch nur auf Frankreich beschränkt. Der "steigende Konsum von Grüntee in Europa" ist auch ein Anreiz für Tpresso, am alten Kontinent Fuß zu fassen. Als Erstes könnte der Kapselproduzent 2012 in Deutschland dem tropfenden Teebeutel den Kampf ansagen. Kein Marktpotential sieht Tpresso hingegen in Großbritannien oder den Mittelmeerländern: Die britische Sitte, Milch in den Tee zu schütten, sei ein Faux-Pas, so Favre. Und im Süden werde Tee vor allem als Getränk bei Krankheit getrunken.

China und Indien sind größte Teeproduzenten

Mit den Teekapseln wagt sich Favre ins Land mit der größten Teeproduktion weltweit: China führt die Liste der Erzeugerländer mit 1,3 Millionen Tonnen an - mit großem Abstand zu Indien (979.000 Tonnen), wie die zuletzt verfügbaren Zahlen des International Tea Committee in London aus dem Jahr 2009 zeigen. Damit wird die Hälfte der Teeproduktion von jährlich rund vier Millionen Tonnen in diesen beiden Ländern erzeugt. Zu weiteren wichtigen Herkunftsländern zählen Kenia, Sri Lanka und Indonesien.

60 Prozent des produzierten Tees wird in den Anbauländern getrunken, der Rest gelangt in den Export, teilt der Deutsche Teeverband mit. Auch bei den Exporten führt China mit 303.000 Tonnen - hauptsächlich grüner Tee - knapp vor Kenia und Sri Lanka, das für die Sorte Ceylon bekannt ist, sowie Indien, das vor allem Assam-Tee exportiert.

Der weltgrößte Tee-Importeur ist Russland, wo vor allem Schwarztee getrunken wird. In Österreich werden dagegen hauptsächlich Kräuter- und Früchtetees konsumiert, die nicht in der Teeproduktion erfasst sind. "Österreich ist ein typisches Land der Kaffeetrinker, daher wird weniger Schwarztee getrunken, der Koffein enthält", sagt Helmut Grafinger, Geschäftsführer des Österreichischen Kaffee- und Teeverbandes.

Gehandelt wird der Tee auf Auktionen in Städten wie Kalkutta, Colombo und Mombasa. Das Teeauktionshaus in London hat 1998 geschlossen. "Hamburg spielt eine große Rolle im europäischen Teegeschäft", sagt Grafinger. Zu den weltweit größten Teefirmen zählen Unilever mit der Marke Lipton sowie Tetley. Der britische Traditionskonzern, der als Erfinder des Teebeutels gilt, wurde 2000 geschluckt - und zwar von der indischen Tata-Gruppe, zu dem der gleichnamige Autohersteller gehört.