Zum Hauptinhalt springen

Karadzic: Tarnidentität von Parteifreunden

Von WZ Online

Europaarchiv

Echter Dragan Dabic 1993 von Scharfschützen erschossen. | Belgrad. Der ehemalige Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, dürfte seine falsche Identität als "Dragan Dabic" erhalten haben, als in Banja Luka noch seine Parteifreunde von der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) an der Macht waren, meint der für Kriegsverbrechen zuständige serbische Sonderstaatsanwalt Vladimir Vukcevic.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Demnach stellten Stellen in Bosnien den falschen Personalausweis aus, die den Haager Angeklagten Karadzic unterstützten und damals mit den Behörden in Serbien in Verbindung standen.

Gemeint ist offenbar die Zeit kurz nach dem Bosnien-Krieg (1992-95), als in Belgrad noch das Regime von Slobodan Milosevic an der Macht war. Karadzic tauchte 1996 unter. In Serbien habe damals "eine für ihn (Karadzic) günstige politische Atmosphäre" geherrscht. "Es ist offensichtlich, dass er sein Parallelleben vor geraumer Zeit zu leben begonnen hat", sagte Vukcevic der Tageszeitung "Vecernje novosti" (Donnerstag-Ausgabe).

Der Belgrader Sender B-92 hatte am gestrigen Mittwoch berichtet, der Personalausweis sei in der Vojvodina-Kleinstadt Ruma - also in Serbien - ausgestellt worden. Demnach gab sich Karadzic als "Dabic" als Serbe aus der kroatischen Krajina aus.

Der echte Dragan Dabic, der als Vorbild für die Tarnidentität diente, war laut inoffiziellen Angaben ein im Jahr 1954 in Sarajevo geborener bosnischer Serbe. Er wurde nach Angaben seines Bruders Mladen im Jahr 1993 in Sarajevo von einem Scharfschützen erschossen. Er sei geschockt, sein Bruder sei zum zweiten Mal zu Opfer geworden, erklärte Mladen Dabic.

Vukcevic wies Spekulationen und die angebliche Behauptung Karadzic' selbst zurück, wonach Karadzic bereits am Freitagabend in einem städtischen Bus im Belgrader Vorort Batajnica festgenommen worden sei. Serbische Boulevardmedien brachten am Donnerstag auch Angaben einer angeblichen Zeugin der Festnahme. Vukcevic: "Das ist eine Spekulation wie viele andere auch." Der mutmaßliche Kriegsverbrecher wurde laut offiziellen Angaben am Montagabend in der Umgebung von Belgrad verhaftet. (APA)

Siehe auchChronologie

+++ Haager Anklage: Völkermord und andere Verbrechen