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Karsais Kampf gegen den Mohn

Von Alexandre Peyrille

Politik

Kabul - Afghanistan will weg vom Image des Drogenlandes. Seit Jahrzehnten sorgen blühende Mohnfelder und der florierende Rauschgifthandel für den verheerenden Ruf des Landes am Hindukusch als einem der größten Opiumproduzenten der Welt. Doch das soll anders werden: Unter Präsident Hamid Karsai hat die neue Regierung in Kabul den Drogen den Kampf angesagt.


"Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Land ohne Drogen leben und stolz darauf sind", wirbt Karsai für das Aktionsprogramm. Doch zur Überzeugung seiner Landsleute wird es noch viel Engagement brauchen - für viele von ihnen ist der Mohn ein äußerst lukratives Geschäft.

Mit dem Mohnanbau müsse Schluss sein, fordert Karsai. Stattdessen solle qualitativ hochwertiges Obst angebaut werden, "auf das wir stolz sein können". Schon die Ende vergangenen Jahres gestürzten Taliban hatten auf internationalen Druck den Anbau von Schlafmohn, aus dem Opium gewonnen wird, verboten.

100 Millionen Euro

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Pflanze inzwischen jedoch wieder auf bis zu 65.000 Hektar angebaut. 2002 stand Afghanistan nach UNO-Angaben sogar an der internationalen Spitze der Opiumhersteller. Zwischen 70 und 90 Prozent des Heroins auf dem europäischen Markt stammen aus dem zentralasiatischen Land. Laut UNO sind mehrere hundert Millionen Euro nötig, um die Mohnfelder völlig zu vernichten - und mehrere Jahre Zeit.

Entschädigung zu gering

Im April startete die Kabuler Regierung ein Anti-Drogen-Programm, wonach die Bauern für jeweils 2500 Quadratmeter zerstörter Mohnfelder rund 350 Euro erhalten. Doch vielen ist das zu wenig. Das Drogengeschäft ist für sie sehr viel lukrativer. Entsprechend dünn ist die Bilanz des Aktionsprogramms: Nur ein Drittel aller Mohnplantagen wurde bisher zerstört.

Er habe drogenabhängige Afghanen gesehen, klagt Karsai voller Besorgnis und erinnert daran, dass der Islam jede Form von Drogenkonsum verbiete. Der Direktor des UNO-Drogenkontrollprogramms für Afghanistan und Pakistan (UNDCP), Bernard Frahi, verweist darauf, dass der Drogenkonsum in Afghanistan selbst minimal sei - noch. Traditionell benutzen viele Afghanen Opium zur Schmerzlinderung oder als Anti-Depressivum.

Ausbreitungsgefahr

Frahi zufolge ist die Ausbreitungsgefahr jedoch groß, wenn nicht sofort gehandelt wird. Nach Ansicht von Frahi könnte die Opiumkultur in Afghanistan innerhalb von fünf Jahren verschwinden. Dazu müssten die Behörden allerdings ihre Autorität in den Provinzen durchsetzen, wo Opium unter Billigung der örtlichen Kriegsfürsten angebaut wird, die ebenfalls vom Drogenhandel profitieren.

Anti-Drogen-Kommission

Gemeinsam wollen die Vereinten Nationen und die Kabuler Übergangsregierung nun eine Behörde einrichten, die sich des Kampfes gegen die Drogen annimmt. Zudem soll eine Anti-Drogen-Kommission im Parlament geschaffen werden. Die UNDCP rät darüber hinaus zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Nachbarländern, über die ein Großteil der Drogen in den Westen geschmuggelt wird.

Doch auch dort wird die Überzeugungsarbeit nicht einfach werden: Das im Iran, in Pakistan und Russland sowie anderen zentralasiatischen Ländern konsumierte Opium, Morphium und Heroin stammt fast zu hundert Prozent aus Afghanistan. AFP