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Kassen bieten nur schlechte Verzinsung

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Heuer erstmals Zugriff auf das Kapital möglich. | Reformideen von ÖVP und SPÖ. | Wien. Ein ereignisreiches Jahr liegt vor den neun Mitarbeitervorsorge-Kassen (MVK) in Österreich:


Erstmals können Arbeitnehmer bei einem Jobwechsel nach 36 Beitragsmonaten 2006 ihr Geld entnehmen. Auch ein Blick auf die erzielten (bescheidenen) Anlageergebnisse lohnt. Die Unzufriedenheit mit dem neuen System ist groß, Reformen lassen allerdings noch auf sich warten. Heuer werden bereits zwei Millionen heimische Arbeitnehmer im System der österreichischen Mitarbeitervorsorgekassen sein. Die vor etwas mehr als drei Jahren ins Leben gerufene "Abfertigung neu", hat das frühere Abfertigungssystem abgelöst. Für jeden Arbeitnehmer werden 1,53 Prozent seiner Lohnsumme in einen Topf eingezahlt, auf den der Arbeitnehmer frühestens nach drei Jahren unter bestimmten Voraussetzungen (er darf nicht selbst kündigen) Zugriff hat.

Das neue Modell funktioniert aber mehr schlecht als recht. Ende 2005 verwalteten die neun Vorsorgekassen (acht überbetriebliche) insgesamt bereits fast 700 Mio. Euro, und damit um rund 80 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Zwangszuweisung an die Vorsorgekassen

Die Unzufriedenheit mit dem neuen Vorsorgesystem ist allerdings beträchtlich. Die eingezahlten Beträge werden von den Krankenkassen einbehalten und an die MVK weitergeleitet. Welche MVK genommen wird bestimmt die Firma, was viele aber einfach nicht tun. Jeder zehnte der Anwartschaften konnten Mitte des Vorjahres von den Krankenkassen nicht zugeordnet werden. Nun wird gemäß Marktanteilen zwangsweise eine MVK bestimmt, was aber auch nicht so recht funktioniert klagen die MVK-Manager.

Aber das viel größere Problem ist die äußerst dürftige Verzinsung, die die MVK erwirtschaften. Als das neue Abfertigungssystem ins Leben gerufen wurde legten die Politiker eine Verzinsung von 6 Prozent ihren Berechnungen zugrunde, was schon damals Fachleute als reine Illusion ansahen. Dies hat sich inzwischen bestätigt: Die errechnete Abfertigungshöhe von 12 Monatsgehältern nach 35 Jahren (im alten System bereits nach 25 Jahren) hat sich in Schall und Rauch aufgelöst. Abgesehen von der Siemens MVK, wo die Mitarbeiter eher selten ihren Arbeitsplatz wechseln und die Einlagen daher langfristig angelegt werden können, sind alle anderen MVK zum Teil weit von den 6 Prozent entfernt. Und selbst diese magere Verzinsung wird in den ersten Jahren fast vollständig von den Kosten aufgefressen. Schließlich behält sich die Krankenkasse 0,3 Prozent der eingezahlten Beträge, die MVK verrechnen bis zu 0,7 Prozent Verwaltungskosten für den gesamten Kontostand und von den laufenden Einzahlungen bis zu 2,9 Prozent an Verwaltungskosten.

Hohe Kosten, geringer Veranlagungsertrag

Die schlechte Verzinsung hat mehrere Gründe: Laut Gesetz muss eine Kapitalgarantie gegeben werden, was rund ein Prozent der eingezahlten Beträge kostet. Da bereits nach drei Jahren auf das Kapital zugegriffen werden kann können die MVK ihr Geld nur kurzfristig veranlagen damit genügend Geld für Auszahlungen in der Kasse ist. Daher sind im Schnitt 80 Prozent der Veranlagungen in Anleihen und Barmittel. Es könnten zwar 40 Prozent in Aktien angelegt werden, was sich aber abgesehen von der Siemenskasse (35 Prozent Aktienquote) niemand traut.

Ein Spezialfall ist die ÖVK, die als einzige eine 3-prozentige Zinsgarantie gibt, was zur Folge hat, dass diese abgesichert werden muss. Dies wiederum verschlechtert die Performance der Kasse. Die ÖVK wird daher auch diesen Alleingang beenden. Interessant ist auch, dass jene Kassen, die 2004 (abgesehen von Siemens) die besten Ergebnisse erzielten, sich 2005 verschlechterten (VBV, Bonus, NÖ).

Ohne Reformen wird das von den Politikern als Baustein für eine private Altervorsorge propagiert MVK-System kein brüllender Erfolg werden. Es ist davon auszugehen, das ein Großteil der Anspruchsberechtigten die erstbeste Möglichkeit nutzen wird, um auf das Kapital zuzugreifen. Reformvorschläge wurden bereits im Vorjahr eingereicht, getan hat sich bisher nichts, vor der Nationalratswahl rechnet niemand mehr mit Entscheidungen. Je nach Wahlausgang könnte es 2007 Änderungen geben. Seitens der ÖVP neigt man eher dazu die Frist für die erstmalige Zugriffsmöglichkeit von 3 auf 5 oder vielleicht sogar 10 Jahre zu erhöhen, womit das Kapital längerfristig angelegt werden könnte, was die Rendite verbessern würde. In SPKreisen steht man diesem Vorschlag eher ablehnend gegenüber, man könnte sich für eine Anhebung des von den Arbeitgebern zu zahlenden 1,53 Prozentsatzes erwärmen.

Die Mitarbeitervorsorgekassen konnten bisher noch nicht positiv bilanzieren, den kleineren wird dies vor 2010 auch kaum gelingen. Mittelfristig könnte es daher zu einem Zusammengehen von MVK mit den Pensionskassen, die rund 400. 000 Betriebspensionen verwalten, kommen.