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Katerstimmung bei Sekterzeugern

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Sektproduzent Karl Inführ kritisiert Wiedereinführung einer "Bagatellsteuer".


Wien. Die letzten drei Monate des Jahres sind die Hochsaison für Sekterzeuger: Weihnachten und Silvester sorgen dafür, dass die Hälfte bis zwei Drittel des Jahresumsatzes im letzten Quartal gemacht werden. Dieses Jahr herrscht bei den Sektherstellern allerdings Katerstimmung vor dem Jahreswechsel: Denn die neue SPÖ-ÖVP-Regierung will die 2005 auf null gesetzte Schaumweinsteuer wieder einführen. Die Schaumweinsteuer (inklusive Prosecco) soll nun einen Euro pro Liter betragen, wie im neuen Regierungsprogramm unter dem Punkt "Besteuerung gesundheitsschädlicher Produkte" zu lesen ist. Zu den Details - wann die Steuer tatsächlich eingeführt wird und für welche Produkte sie gelten wird - gibt das Finanzministerium noch keine Auskunft. Eine unmittelbare Einführung steht nicht bevor, diese muss das Parlament erst beschließen.

Ausweichen auf billigere Trauben aus dem Ausland?

Die Formulierung im Regierungsprogramm "lässt sehr viele Spekulationen offen", kritisiert Benedikt Zacherl, Sprecher der Wiener Sektkellerei Schlumberger: "Das zeigt, wie genau sich die zuständigen Damen und Herren damit beschäftigt haben." Auch dem Sprecher der gewerblichen Sekthersteller, Karl Inführ, Chef der gleichnamigen Sektkellerei in Klosterneuburg, ist die Formulierung zu vage: Denn unter Prosecco fällt sowohl Still- als auch Perlwein ("Frizzante") und Schaumwein ("Spumante"). Der Begriff Prosecco bezeichnet seit 2009 die Herkunft aus der italienischen Region Veneto. Von 1995 bis 2005 war die Abgabe in Österreich nur auf Schaumweine mit über 3 bar Druck in der Flasche fällig, Perlwein hat weniger Druck.

Die Steuer verteuert die 0,75-Liter-Flasche künftig um 90 Cent (inklusive Mehrwertsteuer). Heimische Hersteller befürchten, dass Konsumenten zu günstigeren prickelnden Getränken greifen - oder Schaumwein im Ausland einkaufen. Als die Steuer zuletzt eingehoben wurde, seien die heimischen Supermarktregale mit billigerem ausländischen Frizzante und Spumante "überschwemmt" worden, auf die die Abgabe bisher nicht entrichtet werden musste. Der Schaumweinabsatz sei von 1999 bis 2002 in Österreich um mehr als vier Millionen Liter gesunken, also um knapp 23 Prozent, heißt es von der Landwirtschaftskammer.

"In Österreich werden die Hersteller massiv Umsätze verlieren. 250 Arbeitsplätze bei Sektherstellern sind in Gefahr", schätzt Inführ. Den Absatzrückgang würden auch 3000 Winzerfamilien im niederösterreichischen Weinviertel und im nördlichen Burgenland spüren, die den Grundwein an die Sekterzeuger liefern.

Die heimischen Sekthersteller, die gerne auf die österreichische Herkunft ihrer Trauben verweisen, würden kaum mit ausländischen Produzenten mithalten können: "Absatzeinbußen zwischen 20 und 25 Prozent werden die Hersteller nicht wegstecken können. Um Kosten zu sparen, könnten Hersteller auf billigere Trauben aus dem Ausland zurückgreifen", sagt Zacherl.

Bei der Ernte 2012 habe ein Liter Grundwein aus Österreich laut Inführ 1,50 Euro gekostet. Billig-Sekt stehe jedoch zu Aktionspreisen von lediglich 99 Cent oder 1,49 Euro im Supermarktregal. Im Durchschnitt kostet eine Flasche im Handel 3,78 Euro. "Sekt ist kein Luxusgetränk. Das Argument der Reichensteuer geht ins Leere", sagt Inführ.

"Einnahmen stehen nicht für Aufwand bei Einhebung"

Inführ bezeichnet die Schaumweinabgabe als "Bagatellsteuer". Das gesamte Steueraufkommen würde laut Wirtschaftskammer 25 bis 30 Millionen Euro pro Jahr betragen, was in keinem Verhältnis zum großen Aufwand bei der Einhebung der Steuer stehe, kritisiert Schlumberger-Sprecher Zacherl. Die Sektsteuer wird bei den österreichweit rund 130 Erzeugern fällig, wenn die Flasche den Betrieb verlässt. Auch ausländische Hersteller müssten die Steuer abführen.

Pro Jahr trinkt ein erwachsener Österreicher 25 bis 30 Gläser Sekt. Von den 40 Millionen verkauften Flaschen an Champagner, Sekt, Frizzante und Perlwein entfallen 24 Millionen auf Sekt. Die deutsche Marke Henkell (Henkell, Kupferberg und Söhnlein) hat
im Handel die Nase knapp vor dem österreichischen Hersteller Schlumberger (Schlumberger, Hochriegl und Goldeck).