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Kattegat statt Côte dAzur

Von WZ-Korrespondentin Sylvie Maier

Wirtschaft

Viele Dänen urlauben heuer an Nord- und Ostsee. | Kopenhagen. "Aber heuer kommt ein Bombensommer, ich spürs", waren die trotzigen Worte einer in Dänemark sesshaften Deutschen nach zwei kalten, windig-verregneten Sommern, die sich wie Herbst anfühlten. Tatsächlich sollte sie recht behalten - seit der Mittsommer-Feier zu St. Hans am Abend des 23. Juni, des nach Weihnachten wichtigsten Festtags, gab es kaum verregnete, sonnenlose Tage. An Stelle der üblichen 15,6 Grad lag die Durchschnittstemperatur im Juli bei 19,6 und sorgte so dem meteorologischen Institut DMI zufolge für den heißesten Monat seit 1947.


Das hat zu einer Trendwende geführt: Anstatt nach Frankreich oder Spanien zu fahren - wo übrigens 7000 Dänen ihren Hauptwohnsitz und 20.000 ein Ferienhaus haben - bleiben die Skandinavier im Land und genießen dort schweißtreibende Tage. So tummeln sich ungewöhnlich viele Einheimische in den beinah ausgebuchten Sommerhäusern und Campingplätzen an den Stränden der Nord- und Ostsee. Dass gleichzeitig auch die Charterbranche zufrieden ist, sei kein Widerspruch, meint Poul Henning Thureby vom Touristenbüro Juelsminde: "Viele sparen sich einen Resturlaub und fahren dann weg, wenn es wieder regnerisch und ungemütlich wird."

Deutsche bleiben aus

Jede vierte Übernachtung in einem Ferienhaus wird mittlerweile von dänischen Urlaubern vorgenommen, vor zwei Jahren war es noch jede siebte. Die Tendenz hält an, doch im Gegenzug bleiben zum Bedauern der Touristiker viele der ausländischen Gäste, allen voran wirtschaftsgebeutelte Deutsche und Niederländer, heuer aus.

Am Zeitpunkt des Urlaubs wird nicht gerüttelt: Fast die Hälfte aller Dänen will die schönste Zeit des Jahres partout auf die Wochen 28, 29 und 30 - die traditionellen Industrieferien im Juli - verlegen, belegen Zahlen der Danmark Statistik. Und das, obwohl heute kaum noch ein Unternehmen die Schotten tatsächlich drei Wochen lang dicht macht.

Ob der skandinavische Supersommer nach der Abkühlung diese Woche anhält, bleibt abzuwarten. Fest steht jedenfalls: mit August findet das Land schlagartig in seine Arbeitsroutine zurück, Telefone werden wieder abgehoben und die Parkplatzsuche in Kopenhagen ist zermürbend wie eh und je.