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Katzenjammer bei Zoofachhändlern

Von Petra Medek

Wirtschaft

Strukturprobleme und neues Gesetz drücken Umsätze. | Wien. Die österreichischen Zoofachhändler schlagen Alarm: Einerseits graben ihnen Lebensmittelhandel, Drogerien und Baumärkte die Umsätze mit Tierfutter und Zubehör ab. Andererseits schuf das mit Jahresanfang 2005 in Kraft getretene Bundestierschutzgesetz eine Reihe von Belastungen, die den Händlern schwer im Magen liegen, erklärt Karl Lipski, Landesgremialobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Vom Gesamtumsatz in Höhe von 400 Mio. Euro, der mit tieraffinen Produkten und Heimtieren jährlich in Österreich gemacht wird, entfallen nur rund 172 Mio. Euro auf den Zoofachhandel. Knapp 60 Prozent erlösen Lebensmittelhandel und Drogeriemärkte, der Rest wird in Baumärkten umgesetzt. Die Branche ist von sehr kleinen Unternehmen dominiert - große Ausnahme ist Fressnapf, die Kette setzt allein rund 70 Mio. Euro mit knapp 70 Filialen um.

"Nicht genug, dass die Situation für die Zoofachhändler zuvor schon nicht rosig war, hat uns das Tierschutzgesetz eine zusätzliche Bürde auferlegt", klagt Lipski.

Laut einer Studie der KMU Forschung Austria haben deshalb bereits 2005 rund 40 Prozent der Händler ihr Sortiment verändert.

Die wohl bekannteste Konsequenz aus dem Gesetz: §31 hält fest, dass Hunde und Katzen im Rahmen von gewerblichen Tätigkeiten zum Zweck des Verkaufes nicht gehalten oder ausgestellt werden dürfen. Dieses Verbot sorgte zwar für Wirbel, dabei handelt es sich jedoch nicht um ein generelles Verkaufsverbot, wie der Verfassungsgerichtshof im Dezember 2005 festgestellt hat. Verboten ist nur die Ausstellung der Tiere, hielten die Höchstrichter fest. Fotos oder andere Möglichkeiten der Geschäftsanbahnung seien erlaubt.

Käfige wie Kinderzimmer

Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Händlern die Tatsache, dass mit dem Regelwerk auch die Anforderungen an die Tierhaltung verändert wurden. So müssen nun wesentlich größere Käfige verkauft werden, "und diese muss ein Händler mit einem winzigen Geschäftslokal erst einmal lagern können", so Lipski. Außerdem hätten die meisten Händler Schwierigkeiten, Käfige in den erforderlichen Größen zu bestellen, da diese in Europa kaum produziert würden.

"Wir können Lieferanten gegenüber zwar mehr Druck machen als kleine Händler, kommen aber immer noch schwer an die nötigen Käfige", erklärt Heidi Obermeier, Geschäftsführerin des Marktführers Fressnapf. Für Papageien seien jetzt etwa Käfige im Ausmaß von drei mal vier Metern notwendig; "Das ist ja fast so groß wie ein Kinderzimmer - so etwas können auch wir nicht ausstellen", so Obermeier. Die Fressnapf-Filialen sind im Schnitt rund 500 Quadratmeter groß, laut KMU Forschung Austria liegt die durchschnittliche Geschäftsfläche im heimischen Zoofachhandel jedoch nur bei 192 Quadratmetern.

Wer umbauen kann, tut dies. Die Kosten für die bereits durchgeführten oder noch in Planung befindlichen Adaptionen schätzt KMU Forschung Austria auf durchschnittlich 4300 Euro pro Händler. 2005 haben demnach bereits 43 Prozent ihr Geschäft umgebaut.