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Käuferstreik lässt Isovoltaic-Börsengang platzen

Von Karl Leban

Analysen

Außer Spesen nichts gewesen: Der Börsengang des Photovoltaik-Zulieferers Isovoltaic ist geplatzt - und damit auch der Traum seines Eigentümers Stanislaus Turnauer, bis zu 378 Millionen Euro aus dem Verkauf eines 45-Prozent-Anteils zu erlösen.


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Hatte zuletzt bereits der Alu-Konzern Amag viel Mühe, seinen Börsengang (IPO) durchzubringen, geriet jener der Isovoltaic vollends zum Flop. Während der Haupteigentümer der Amag zumindest den Großteil seiner angebotenen Aktien voll platzieren konnte, ist Turnauer auf einem Großteil sitzengeblieben.

Für diesen Kaufstreik des Marktes gibt es eine Reihe von Gründen. Anlegerschützer Wilhelm Rasinger etwa sieht die Hauptschuld beim Eigentümer selbst: "Der hat gedacht, im Zuge der Japan-Ereignisse mit der Photovoltaik-Produktidee rasch Kassa machen zu können." Und dies habe das Börsenpublikum durchschaut - ähnlich wie bei der Amag, wo der Mehrheitsaktionär ebenfalls bestrebt war, schnelles Geld zu machen.

Ein überzogener Preis?

Mit 16 bis 21 Euro sei der Preis, zu dem die Isovoltaic-Aktie hätte verkauft werden sollen, überzogen gewesen, so Rasinger. In der Tat wäre der Solar-Titel selbst am unteren Ende des Preisbandes gegenüber anderen Werten aus der Branche relativ teuer gewesen. Wird der Preis von Anlegern nicht als fair eingeschätzt und werden kaum Chancen auf Kursgewinne gesehen, ist der Flop somit programmiert. Da ist es für Investoren dann auch irrelevant, wenn es sich bei der Isovoltaic um ein rasch wachsendes und hochprofitables Unternehmen handelt.

So wie bei der Amag fehlte im Übrigen auch bei der Isovoltaic eine echte Investment-Story. Eine Kapitalerhöhung war nicht geplant, um die Isovoltaic mit frischem Geld expandieren zu lassen, um künftig Firmen zu kaufen oder zusätzliche Produktionslinien aufzuziehen. Die gute Marktposition allein war deshalb offenbar kein hinreichender Grund, Aktien zu zeichnen.

Was bei Investoren ebenfalls nicht gut angekommen sein dürfte, waren die massiven Kontroll- und Einflussrechte, die sich Turnauer - "à la Stronach" - für die Zeit nach dem IPO sichern wollte. De facto hätten vor allem Kleinanleger keine Mitsprache im Unternehmen gehabt. Über zwei Namensaktien hätte der Erbe des legendären österreichischen Industriellen Herbert Turnauer auch künftig den Aufsichtsrat allein bestimmen können.

Fokus nur aufs Ausland

Rasinger sieht auch darin einen strategischen Fehler, dass beim IPO 85 Prozent im Ausland, aber lediglich 15 Prozent der Aktien in Österreich angeboten wurden: "Zu glauben, dass nur die Ausländer die Wohltäter sind, ist falsch."

Fragen muss man sich auch, ob die großen Namen unter den Emissionsbanken generell die richtige Wahl für österreichische Bedürfnisse sind. Kaliber wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan haben da alles andere als überzeugt.