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Kaum Erfolgschance für Friedens-Jirga

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik
Ein nachdenklicher Jirga-Delegierter in Kabul. Foto: ap

Ex-Warlord sorgt als Vorsitzender für Aufregung. | Neu Delhi. Das Terror-Attentat der Taliban zum Auftakt der afghanische Friedens-Jirga hat die etwa 1600 Teilnehmer nicht abgeschreckt. Afghanistans Präsident Hamid Karzai war am Mittwoch noch mitten in seiner Begrüßungsrede, als Raketen über das große Versammlungszelt in Kabul flogen. | Selbstmordattentat erschüttert Friedens-Jirga


Eines der Geschosse schlug nur 100 Meter entfernt ein. Doch gleich am Donnerstag ging die nationale Versammlung weiter der Frage nach, wie eine Versöhnung mit den Aufständischen aussehen kann. Die Repräsentanten aus allen Teilen des Landes sollen auf Einladung Karzais nach Lösungen suchen, den neun Jahre dauernden Krieg am Hindukusch zu beenden.

Doch die Meinungen darüber gehen stark auseinander. Das dreitägige Treffen dürfte daher kaum einen Durchbruch bringen. Die Jirga macht bereits deutlich, dass eine Versöhnung mit den Taliban nicht immer appetitlich ausfallen dürfte. Denn dafür müssen auch Figuren ins Boot geholt werden, die viele Afghanen noch in furchtbarer Erinnerung haben - nicht nur Taliban-Führer, sondern auch Mitglieder der früheren Nordallianz, die gegen die Taliban kämpften. Etwa Burhanuddin Rabbani, der zum Vorsitzenden der Jirga bestellt wurde.

Fast eine Stunde lang kam die Versammlung deswegen zum Erliegen, weil viele Teilnehmer gegen Rabbani protestierten. Der Ex-Präsident und frühere Warlord ist wahrhaft kein Friedensengel. Im blutigen Bürgerkrieg der 90er Jahre metzelte seine Truppe in Kabul Tausende Menschen brutal nieder.

Ausstiegs-Programm für Taliban-Kämpfer

Einer der Vorschläge, die die Vertreter diskutieren wollen, ist ein Ausstiegs-Programm für Taliban- Kämpfer, die der Gewalt abschwören. Karzai hatte diesen Vorschlag bereits auf der Afghanistan-Konferenz in London vorgestellt. Auch der Westen, der unter Führung der Nato und der USA mit 130.000 Soldaten gegen den Aufstand kämpft, ist der Idee der Aussöhnung mit den Taliban nicht mehr völlig abgeneigt. Viele sehen darin die einzige Möglichkeit, den blutigen Konflikt bald zu beenden, weil der Einsatz auch in den USA immer mehr an Rückhalt verliert. Die USA haben erklärt, sie wollen ab 2011 mit dem Abzug ihrer Truppen beginnen und schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit des Landes in die Hände der Afghanen legen.

Doch die Jirga-Teilnehmer sind uneins, wenn es um die wirklich sensiblen Themen geht. Welche Zugeständnisse etwa sollen an die Guerilla-Kämpfer gemacht werden, welche auf keinen Fall? Wenig Einigkeit herrscht auch darüber, ob die Regierung direkt mit dem Taliban-Gründer Mullah Omar verhandeln sollte, der von 1996 bis 2001 Chef des Schreckensregimes in Afghanistan war.