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Kaum neue Signale für Nahost

Von Georg Friesenbichler

Politik

Heikle Reise endete versöhnlich. | Palästinenser zufrieden gestellt. | Im letzten Moment versuchte der Papst noch nachzuholen, was ihm nach Meinung vieler jüdischer Kommentatoren bei seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nicht gelungen war.


Bei seiner Abschiedsrede erinnerte er an seinen drei Jahre zurückliegenden Besuch in Auschwitz, "wo so viele Juden brutal vernichtet wurden von einem gottlosen Regime, das eine Ideologie von Hass und Antisemitismus propagiert hat. Dieses entsetzliche Kapitel der Geschichte darf nie vergessen oder geleugnet werden." Zumindest das offizielle Israel zeigte sich über die Worte, die der Papst bei seiner Reise gefunden hat, zufrieden.

Dass dies nicht gleich zu Beginn des Israel-Besuches geschah, lag einerseits an den hohen Erwartungen der Gastgeber, aber auch an offenbarer Instinktlosigkeit im Vatikan. Der Papst habe sich schon so oft zum Holocaust geäußert, dass eine Wiederholung in Yad Vashem nicht notwendig schien, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, von der Sensibilität im Gastland überraschend überrascht.

Lombardi leugnete zudem, dass der Papst jemals in der Hitlerjugend gewesen war und musste von der israelischen Zeitung "Haaretz" darauf hingewiesen werden, dass der damalige Kardinal Joseph Ratzinger dies in seiner 1996 erscheinen Autobiographie selbst zugegeben hatte.

Dabei war von vornherein klar, dass der Besuch in dieser Region, in der Judentum und Islam aufeinander prallen, heikel sein würde. Der Papst hatte in der Vergangenheit mit beiden Religionen seine Sträuße ausgefochten. Von den Juden waren ihm zuletzt die Bemühungen um Wiedereingliederung der antisemitischen Piusbruderschaft und die Zulassung der tridentinischen Messe, in der um die Erleuchtung der Juden gebetet wird, vorgeworfen worden. Die Muslims hatte er durch eine Rede in Regensburg gegen sich aufgebracht. Bereits durch einen Besuch in der Türkei hatte er versucht, diese Wogen zu glätten.

Auch gegenüber den Palästinensern setzte er Zeichen. Er machte Worte aus dem islamischen Glaubensbekenntnis zu den seinen, er sprach die Notlage des Volkes, das Leiden im Gaza-Streifen und die israelische Sperrmauer an. Im Jubel der Palästinenser über solche Unterstützung gingen die den Terrorismus verurteilenden Worte ein wenig unter. Stattdessen mahnte der Papst zur Versöhnung mit den ungeliebten Nachbarn, ein wenig aussichtsreicher moralischer Appell zwar, aber eines Friedensbotschafters würdig. Die großen Überraschungen blieben aus, neue Signale für den Nahen Osten wurden kaum gesetzt. Die Positionen, die der Papst vertrat, entsprechen seinen bisherigen wie auch denen der USA und der EU.

Just der Versuch des Ausgleichs, der Wille, bei niemandem anzuecken, hinterließ bei vielen Beobachtern der Papstreise aber ein indifferentes Gefühl. Die Auftritte Benedikts XVI. hätte er zu distanziert, zu unpersönlich inszeniert, lautete ein oft gehörter Vorwurf. Aber Inszenierung war eher die Gabe seines Vorgängers Johannes Paul II., der aufgrund seiner Vergangenheit in Polen politischen Instinkt entwickelt hatte. Mit dessen Reise ins Heilige Land wurde die jetzige oft verglichen - nicht zu Gunsten von Benedikt XVI.

analyse@wienerzeitung.at