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Kavaliersdelikt Plagiat: Zum Titel mit "Copy and Paste"

Von Katharina Schmidt

Politik

Uni-Ausschluss nicht möglich. | Strenge Kontrollen ab Herbst 2006 in Wien und Salzburg. | Salzburg/Wien. Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Klingt bekannt, ist es auch. Das Problem ist, dass dieser Satz aus Franz Kafkas "Die Verwandlung" nicht als Zitat gekennzeichnet ist. Damit hätte sich die "Wiener Zeitung" des Plagiats schuldig gemacht.


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Dieses Problem spielt an den österreichischen Universitäten eine immer größere Rolle. Durch die neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet, ist es Studenten heutzutage ein Leichtes, wissenschaftliche Arbeiten mit fremden Textpassagen zu versehen, ohne die Quelle anzugeben. Über die Suchmaschine Google kann nach Texten gesucht werden, die betreffende Stelle muss nur markiert und in die eigene Arbeit kopiert werden ("Copy and Paste").

Erst vergangene Woche ist ein Fall in Salzburg bekannt geworden, wo, wie berichtet, in einer Diplomarbeit ganze Absätze unzitiert übernommen wurden.

Ausbildung verbessern

Für den Salzburger Medienforscher Stefan Weber liegt hier "nicht unbedingt Betrugsabsicht" vor. Der "Plagiatsjäger" - seit 2002 hat er elf Plagiate entlarvt - ortet das Problem in der mangelhaften Ausbildung angehender Akademiker, was die "wissenschaftliche Belegkultur" betrifft.

Von Bestrafungen wie in den USA, wo die Exmatrikulation droht, hält er aber wenig. Weber fordert die Einrichtung von Ombudsstellen zur Überwachung der Wissenschaftlichkeit an allen Unis. Eine solche Stelle gibt es nur in Klagenfurt. In Wien und Salzburg müssen ab kommendem Wintersemester Diplomarbeiten und Dissertationen auch elektronisch abgegeben werden. Stichprobenartig werden sie dann durch ein Plagiatsprogramm am Computer gejagt. "Seit das bei uns bekannt geworden ist, haben wir einen gewaltigen Rückgang bei Plagiaten", meint Brigitte Kopp, Studienpräses in Wien. Wer erwischt wird, dem wird der Titel aberkannt, er kann aber sofort mit einer neuen Arbeit beginnen. "Durch das Universitätsgesetz ist es uns nicht möglich, jemanden wegen eines Plagiats von der Uni auszuschließen", erklärt Kopp.

Diese Möglichkeit wurde zwar auf politischer Ebene bereits diskutiert - ÖVP-Bildungssprecherin Gertrude Brinek hat eine zweijährige Uni-Sperre vorgeschlagen. Laut Weber handelt es sich bei Plagiaten aber um einen schwer einzugrenzenden Graubereich.