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Kavaliersdelikt und Intriganz

Von Haimo L. Handl

Gastkommentare

Viele bedauern den Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs und sprechen von überzogenen Intrigen. Aber: Auch wenn übertrieben intrigant aufgedeckt und angeprangert wurde, die Plagiatsvorwürfe erwiesen sich als wahr und stichhaltig. Das Fokussieren auf die Hintergründe der Aufdecker oder Ankläger soll nur den eigentlichen Kern, um den es geht, übertünchen.


In Österreich sind es ähnliche Typen, bereichert durch Vertreter der Kunstszene. Peter Noever ist zurückgetreten. Die Vorwürfe privater Feste auf Kosten des MAK und gefälschter Abrechnungen, spät genug öffentlich gemacht, sind nicht als bloße Intrigen wegzuwischen. Die Faktenlage ist klar, Noever hat in letzter Minute die Konsequenz gezogen und als Schadensersatz mehr als 200.000 Euro auf ein Treuhandkonto gezahlt.

Und was leisten bekannte, herausragende Künstler und Vermittler? Sie mutmaßen beziehungsweise behaupten Intrigen. Diesmal sind es die bösen Grünen. Der konservative Katholik, früher als Schweinigler etikettierte Hermann Nitsch, jetzt ein anerkannter Künstlerhalbgott mit kleinem Museum in Mistelbach, ortet eine parteipolitische Intrige. Er kennt sich ja aus. Und der Direktor der Albertina, Klaus-Albrecht Schröder, sieht in der Affäre "eine Intrige der Grünen mit dem Ziel, die Museumspolitik der Ministerin zu diskreditieren".

Die Herren, beide verwöhnt mit Aufmerksamkeit, Gloriolen und Finanzen, wollen sich kritisch zeigen. Aber sie demaskieren sich als Kollaborateure. Denn sie streuen Vermutungen in die Medien, die vom Eigentlichen ablenken sollen. Der zurückgetretene MAK-Direktor Noever hat sträflich gehandelt. Über das wahre Ausmaß wird eine Untersuchung, ein Gerichtsverfahren Auskunft geben; Strafanzeige wurde erstattet. Keine Intrige hätte greifen können, wäre Noever, den man als erfolgreichen Macho sieht, der das verschlafene Museum wachgeküsst habe, nicht unlauter, straffällig geworden.

Trotzdem schwätzen Nitsch und Schröder von Intrigen. Sie kennen den Betrieb. Haben sie Angst, es könnte in der nun begonnenen Aufdeckerei noch mehr ans Licht kommen? Auch in Kakanien kann nicht alles, wie früher, unter sich bleiben. Aus der schwarz-blauen Abzockzeit warten noch viele Verschiebereien, Begünstigungen und dergleichen, typisch für eine Klientelpolitik, auf ihre Aufdeckung. Intrigen?

Den Verdachtsmomenten ist nachzugehen. Ein bisheriger guter Ruf ist kein Blankoscheck. Wann werden wir in Österreich jene Fakten öffentlich vorliegen haben, die das Vertuschen, Nichthandeln, verunmöglichen? Auch wenn die Beweggründe für Aufdeckung Rachegelüste oder Wut sein mögen: Wenn die Fakten stimmen, sollen sie gelten und entsprechend gewürdigt werden. Alles andere wäre Beugung, Unrecht.

Haimo L. Handl ist Politik- und Kommunikationswissenschafter.