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Kdolsky wirft das Handtuch

Von WZ Online

Politik

Einigkeit innerhalb der ÖVP ist für Kdolsky wichtiger als Ministeramt. | Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) verzichtet nicht nur auf die Nationalratskandidatur, sondern auch auf ihr Regierungsamt. Sie werde "in einer nächsten Regierung auch nicht mehr als Bundesministerin zur Verfügung stehen", erklärte die 45-jährige Quereinsteigerin in einer Aussendung am Donnerstag. Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) hatte die Ärztin und Spitalsmanagerin 2007 aus Niederösterreich in die Regierung geholt und sie auch zu seiner Stellvertreterin als Parteichef gemacht. Mit dem "Outing" ihres Privatlebens vor einem Jahr hatte sie es sich allerdings mit großen Teilen der Partei verscherzt.


Kdolsky selbst verweist in ihrer Aussendung auf die kritische Haltung von Teilen der ÖVP zur ihrer Ankündigung zu Wochenbeginn, gerne wieder Ministerin werden zu wollen. Ausführlich schildert sie, wie wichtig für die ÖVP die "bestehende Einigkeit in den Reihen" ist. Und erklärt dann: "Mediale Spekulationen und Gerüchte der vergangenen Tage stellen diese Einigkeit der ÖVP in Zusammenhang mit meiner Person in Frage. Ich stelle daher fest, dass ich nicht nur auf keiner Liste für den Nationalrat kandidieren werde, sondern in einer nächsten Regierung auch nicht mehr als Bundesministerin zur Verfügung stehen werde."

Bis zur Angelobung der neuen Regierung will Kdolsky aber ihre politische Tätigkeit "wie bisher auch, mit größter Sorgfalt, vollem Einsatz und aller Kraft und Freude fortführen".

Molterer hat die Quereinsteigerin nach der vorigen Wahl im Jahr 2007 in die Regierung geholt. Nach einer recht steilen Karriere von der Fachärztin und Gewerkschafterin als Spitalsmanagerin an die Spitze der NÖ Landeskliniken-Holding wurde die am 2. November 1962 in Wien geborene Kdolsky damit zum "bunten Vogel" der ÖVP in der wiederaufgelegten Großen Koalition. Als solchem verzieh man der Gesundheitsministerin noch Eingeständnisse wie dass sie hie und da gerne raucht oder Schweinsbraten isst.

Das "Outing" ihres Privatlebens vor einem Jahr - die Scheidung und die neue Partnerschaft mit dem früheren Kabinettschef im Innenministerium, Philipp Ita - nahmen ihr aber sowohl die Parteifreunde als auch die Wähler krumm. Sie stürzte in den Umfragen - in denen sie zuvor sehr gute Werte eroberte hatte - ab und musste sich immer wieder Kritik auch von Parteifreunden an ihrer Arbeit gefallen lassen, so wurde die von ihr vertretene Gesundheitsreform auch von großen Teilen der Partei bekämpft.

Dennoch behielt Molterer sie im Amt. Auf die Niederösterreich-Liste für die Nationalratswahl schaffte sie es aber nicht mehr. Und auf ihre Erklärung im "Kurier", dennoch Ministerin bleiben zu wollen, reagierten viele Parteifreunde - die ihren Rückzug erwarten - sauer. Öffentlich forderte sie der Wiener Abg. Ferry Maier auf, zu gehen - und warf ihr vor, eine "eine derart negative Stimmung unter unseren Funktionären und Parteimitgliedern ausgelöst" zu haben.