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Kehraus in der Hochschullandschaft

Von Katharina Schmidt

Wissen
Eberhard Menzel (63) ist Elektrotechniker und seit 2009 Präsident der neuen Hochschule Ruhr West. Foto: HBF/Minich

Expertengruppe soll Empfehlungen erarbeiten. | Eberhard Menzel, Mitglied des Beirats, im Interview. | Wien. Geht es nach Beatrix Karl, soll Österreich bis Jahresende einen Hochschulplan haben. Die Wissenschaftsministerin hat am Freitag eine dreiköpfige Expertengruppe vorgestellt, die bis Juli Empfehlungen ausarbeiten wird. Auf deren Basis sollen ein Modell für eine Studienplatzfinanzierung, ein Forschungsinfrastrukturplan sowie ein Bauleitplan geschaffen werden.


Karl betonte, dass die Vielfalt erhalten bleiben müsse und man nicht in die Uni-Autonomie eingreifen werde. Jedoch "kann nicht jede Hochschule ihren Schrebergarten haben". Man brauche "klar definierte Strukturen".

Darum wollen sich jetzt die Experten kümmern - neben Andrea Schenker-Wicki von der Uni Zürich und dem Präsidenten der Schweizer Rektorenkonferenz, Antonio Loprieno, gehört dem Gremium Eberhard Menzel, Präsident der FH Ruhrgebiet West, an.

"Wiener Zeitung":Welche Probleme müssen gelöst werden, damit Österreichs Unis konkurrenzfähig werden?Eberhard Menzel: Das müssen wir herausfinden. Die größte Herausforderung ist sicher die Finanzierung. Diese richtet sich nach der Priorität, mit der ein Land den tertiären Sektor behandelt. Das zur Verfügung stehende Budget muss sinnvoll eingesetzt werden: Es darf kein Überangebot an Studien geben, die nicht genutzt werden. Vielleicht gibt es Einsparungsmöglichkeiten etwa durch die gemeinsame Labor-Nutzung.

Besteht die Möglichkeit, dass Studiengänge zusammengelegt oder gestrichen werden?

Das kann ich im Moment noch nicht sagen, aber ich schließe gar nichts aus.

Kommt dem tertiären Sektor in Österreich ausreichende Priorität zu?

Es gibt einen Unterschied zu Nordrhein-Westfalen, wo ich arbeite. Dort hat der Bildungssektor oberste Priorität. Allein im FH-Bereich werden 11.000 neue Studienplätze geschaffen.

Studiengebühren und Zugangsregeln sind in Österreich Reizworte.

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit noch Gebühren von 1000 Euro im Jahr. Ein Bachelor-Abschluss kostet also 3000 Euro - dieses Geld kann man später mit ein bis eineinhalb Monatsgehältern zurückzahlen. Das ist angemessen und machbar. Zugangsbeschränkungen sind auf jeden Fall erforderlich - die österreichischen Unis müssen sich hier an den Fachhochschulen orientierten. Man muss auch daran denken, dass die Qualität drastisch leidet, wenn ich 100 Studienplätze habe, aber 400 Personen aufnehme - diesen 400 kann ich keine vernünftige Ausbildung bieten.

Es soll auch eine Studienplatzfinanzierung geben. Wird am Ende eine Platzbeschränkung herauskommen?

Wenn die Unis sich wirklich wettbewerbsfähig halten wollen, wird eine Platzbeschränkung herauskommen müssen. Es wäre ein ganz wesentlicher Wettbewerbsnachteil für das Land, wenn die Ausbildung der Österreicher nicht dem entspricht, was in den benachbarten Ländern passiert.

Wo steht Österreichs Hochschulsektor in einem Jahr?

In einem Jahr wissen wir vielleicht, in welche Richtung wir gehen müssen. Aber das muss dann auch noch umgesetzt werden.