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Kehrtwende an der Wiener Börse

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Wachsende Furcht vor steigenden Inflationsraten. | Wien. Wenn es Zeit wird den Rückwärtsgang einzulegen, dann finden sich für die Aktienmärkte immer Gründe. Der Ölpreis wird als Richtungsgeber an den Börsen aber derzeit nur bedingt akzeptiert.


Bester Beweis dafür ist, dass die Aktienkurse trotz eines Preises jenseits der 60 Dollar-Marke gestiegen sind. Und jetzt, wo der Ölpreis sinkt, gehen die Kurse sogar zurück. Also muss es einen anderen Grund für die Kehrtwende an den Märkten geben. Dieser wurde wo sonst in den USA gefunden, wo der Wirtschaftsmotor recht rund läuft zumindest besser als diesseits des Atlantiks. Und gerade wegen der gut laufenden US-Konjunktur baut sich ein negatives Stimmungsbild auf, das da lautet: Hohes Wirtschaftswachstum bedeutet höhere Inflationsraten - und damit steigende Zinsen.

Vom Käuferzum Verkäufermarkt

Die Investoren am österreichischen Aktienmarkt haben sich diese Formel scheinbar besonders zu Herzen genommen. Außerdem ist nach dem Dauer-Höhenflug die Luft an der heimischen Börse ohnehin schon sehr dünn geworden, so dass die Angst vor einer Überhitzung im Raum stand was Analysten aber nur hinter vorgehaltener Hand zugeben wollen. Und für die vom Ölpreis abhängigen Werte, wie OMV und Schoeller-Bleckmann, war ohnehin klar, dass ein deutlicher Ölpreisrückgang eine Kehrtwende für ihre Aktienkurse gedeutet. War die Börse vor einer Woche noch ein Käufermarkt, so wandelte sie sich in den letzten Tagen zu einem Verkäufermarkt. Devise: Gewinne mitnehmen.

Korrekturphase dürfte noch anhalten

Der Ausblick auf die nächsten Börsentage ist mit einer gewissen Skepsis unterlegt. Neue Impulse für wieder steigende Aktienkurse lassen sich derzeit am Horizont nicht erkennen.

An den ersten beiden Börsentagen dieser Woche hatte der Aufschwung noch angehalten und ließ den ATX sogar über die 3.500-Punkte-Hürde springen neues All Time High: 3.510,50 Punkte. In der Folge gab es nur noch ein Rückzugsgefecht, das den Index auf 3.336,70 Zähler abbröckeln ließ. Im Wochenabstand bedeutet das einen Rückgang um 3,5%. Der WBI als Indikator für den Gesamtmarkt schwächte sich um 2,9% auf 1.238,22 Zähler ab.

Im Topsegment, dem Prime Market, verlor vor allem das Indexschwergewicht OMV deutlich Boden (-9,5%) und war so wie beim Anstieg hauptverantwortlich für den ATX-Rückgang. Am Kursverlust der OMV konnten weder der Ölfund in Libyen etwas ändern, noch dass Merrill Lynch die OMV-Aktie weiterhin zu den Sektorfavoriten zählt. Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann musste mit minus 7,6% auch ganz schön Federn lassen. Deutlich schwächer auch BWT (-6,4%), S&T (-5%) sowie die Versorger EVN (-3,9%) und Verbund (-5,1%).

Auf der Sonnenseite standen in der abgelaufenen Woche vor allem Brain Force (+5,4%), Telekom Austria (+4,2%) und Immoeast (+3,2%).

* Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse"