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Kein Annäherung im Westsahara-Streit

Von WZ-Korrespondent Günther Bading

Politik

Verhandlungen auf März vertagt. | Madrid/Rabat. "Das neue Jahr bringt Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit - oder die Rückkehr zum bewaffneten Kampf", hat der Botschafter der selbsternannten Demokratischen Arabischen Republik Sahara, Mohammed Yeslem Beïsat, zum Auftakt der Verhandlungen über den Westsahara-Konflikt erklärt. In Manhasset bei New York verhandelte seit Wochenbeginn die saharauische Polisario mit Marokko, das Westsahara besetzt hält, unter der Schirmherrschaft der UNO. Ohne Erfolg. Die Gespräche - zu denen anders als bei der letzten Runde im Sommer 2007 auch die Nachbarländer Algerien und Mauretanien hinzugezogen wurden - sind am Donnerstag wegen unüberbrückbarer Differenzen auf März vertagt worden.


Beïsat sprach für eine "Republik", die aus fünf Flüchtlingslagern besteht, in denen rund 100.000 Saharauis leben, die vor der marokkanischen Besetzung der ehemals spanischen Kolonie Westsahara 1976 nach Algerien flohen. Politische Führung ist die Polisario-Front, die bis zum Waffenstillstand von 1991 versuchte, mit einem Guerilla-krieg die Unabhängigkeit der Ex-Kolonie zu erzwingen.

Die Polisario schließt inzwischen die Rückkehr zum bewaffneten Kampf nicht mehr aus. Auf ihrem 12. Kongress in Tifriti Mitte Dezember wurden entsprechende Beschlüsse gefasst.

Westsahara war bis 1976 spanische Kolonie. Mit dem Abzug der spanischen Truppen kam allerdings nicht die Unabhängigkeit, sondern die Besetzung durch Marokko.

Sowohl bei der UNO als auch in Marokko, Algerien und Mauretanien betrachtet man die Möglichkeit eines neuen Polisario-Krieges mit Sorge. Vor allem befürchtet man, dass sich diese mit der Al Kaida des islamischen Maghreb verbündet, die vor allem in Algerien, aber auch Marokko und Mauretanien aktiv ist. Dort war erst im Dezember eine französische Touristenfamilie ermordet worden, was letztlich zur Absage der berühmten Rallye Dakar geführt hat.

Gegen Balkanisierung

In Rabat betrachtet man die Westsahara längst als "Südprovinz" und integralen Bestandteil des marokkanischen Territoriums. Marokkos Innenminister Chakib Benmoussa erklärte zum Auftakt der UN-Verhandlungen denn auch, sein Land werde einer "Balkanisierung" Westafrikas nicht zustimmen. Rabat hat einen Autonomie-Plan vorgelegt, der den Saharauis weitgehende Selbstverwaltung verspricht. Die von der UNO unter Beifall der Polisario beschlossene Volksabstimmung in Westsahara lehnt Marokko hingegen ab.

Die Bevölkerung von Westsahara wird auf 385.000 Menschen geschätzt, rund 100.000 Saharauis leben in Flüchtlingslagern nahe Tindouf in Algerien. Marokko hat mit Umsiedelungsaktionen den Anteil seiner Bevölkerung in der besetzten Region drastisch erhöht.

Das erschwert die Umsetzung der UN-Resolution über ein Referendum, da an ihm nur die Saharauis teilnehmen sollen.