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Kein Beruf für Zartbesaitete

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Wer Unternehmensberater bzw. -beraterin werden will, sollte ein hohes Maß an Selbstbewusstsein an den Tag legen. Schließlich gilt es, den Kunden laufend davon zu überzeugen, dass er sein Geld nicht unnötig ausgibt. Auf den Mund gefallen sollte man/frau dabei nicht sein.


"Kein Konzept läuft von Anfang bis zum Ende smooth", meint Peter Laggner, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Cap Gemini Ernst & Young Österreich. Man müsse damit rechnen, dass der Kunde eine ablehnende Haltung an den Tag legt. Das Gespräch kann schon mal zur "Schlacht" ausarten. Wer die Spielregeln der Kommunikation nicht beherrscht und grundsätzlich nicht gerne argumentiert, sollte sich lieber ein anderes Berufsziel wählen. Unternehmensberatung ist nichts für Sensible, heißt es seitens der Personalverantwortlichen aus der Branche.

Keine Chance für Einzelkämpfer

Kreativ sollen bzw. müssen die Damen und Herren Consulter auch sein. Auch auf die Bereitschaft zu Teamarbeit wird großer Wert gelegt. "Bei uns kann und wird man als Einzelkämpfer nicht weit kommen", sagt Martina Pitterle, Recruiting-Verantwortliche bei Accenture Österreich (vormals Anderson Consulting). Als weitere Anforderungen nennt sie analytisches und strukturiertes Vorgehen und die Bereitschaft zu reisen.

"Bummelstudenten" sollten sich die Vorstellung von der großen Karriere als Unternehmensberater lieber abschminken. Die Personalchefs haben es nämlich gern, wenn ihre Mitarbeiter einigermaßen rasch studiert haben. Wer Berufserfahrung während des - vorzugsweise Technik- oder Wirtschaftsstudiums - nachweisen kann, habe bei Accenture gute Chancen, so Pitterle. Die Tätigkeit als Eisverkäufer oder Babysitter hat im Lebenslauf allerdings nicht zu suchen. Es müsse sich schon um "inhaltlich relevante Praktika" handeln, stellt Pitterle klar.

Frauenanteil noch gering

Accenture Österreich beschäftige derzeit rund 200 Mitarbeiter. Neo-Berater sucht man via Inserat, in Kooperation mit Universitäten und auf Job-Messen. Der Frauenanteil beträgt etwa ein Drittel, das ist "leider nicht so hoch, wie wir uns wünschen würden", bedauert Pitterle. Sie ortet Berührungsängste mit dem Beruf und würde sich mehr Aufklärungsarbeit wünschen. Auch Laggner hätte gerne mehr Bewerbungen von Frauen. Sein Unternehmen ist nur zu 10% weiblich.