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Kein Bruderzwist um Habsburg - trotzdem ein Trauerspiel

Von Brigitte Pechar

Analysen

Für "eine schöne Leich" sind die Österreicher immer zu haben. Das zeigen die Einschaltzahlen des ORF bei den Übertragungen der Trauerfeierlichkeiten für Lady Diana am 6. September 1997 mit 1,25 Millionen und Ex-Kaiserin Zita am 1. April 1989 mit immerhin 806.000 Zuschauern.

An diesem Samstag wird Otto Habsburg, ältester Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I., bestattet. Und zwar in ähnlicher Form, wie sie seiner Mutter zuteil wurde. Während man bei Zita noch damit argumentieren konnte, dass es sich immerhin um die letzte Kaiserin von Österreich gehandelt habe, fehlt für Otto Habsburg diese Argumentationsbasis. Und dennoch wird es ein Begräbnis mit stark imperialem Charakter sein.

Dazu trägt nicht zuletzt die Republik bei. Die Beteiligung des Bundesheeres bei den Trauerfeierlichkeiten sei der "Schlusspunkt der Aussöhnung" der Republik mit dem Haus Habsburg, sagt General Christian Segur-Cabanac. Die Kosten dafür belaufen sich auf 10.000 bis 50.000 Euro. Teurer wird da schon der Einsatz der rund 400 Polizisten, der das Budget von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner mit etwa 100.000 Euro belastet. Allerdings ist dieses Polizeiaufgebot keine Ehrerweisung, sondern sorgt für die Sicherheit der etwa 1000 geladenen Trauergäste und der großen Zahl der zu erwartenden Schaulustigen.

Dass die Familie Habsburg ihr langjähriges Familienoberhaupt mit allen herrschaftlichen Ehren zu Grabe tragen will, sei ihr unbenommen. Was aber ficht vor allem sozialdemokratische Politiker an, dem Kaisersohn die letzte Ehre zu erweisen?

Bundespräsident Heinz Fischer, der über Jahrzehnte hinweg die äußerst kritische Linie der SPÖ mitgetragen hatte, zeigte sich angesichts des Todes versöhnlich: "In seinem Leben haben sich die großen Zäsuren der österreichischen und europäischen Geschichte widergespiegelt." Eine Wende in der Habsburgrezeption innerhalb der Sozialdemokratie hat sicher Bruno Kreisky 1972 eingeleitet, als er Otto Habsburg anlässlich des 50-jährigen Paneuropa-Jubiläums die Hand reichte. Auch im Wissen darum, dass die österreichische Demokratie gefestigt genug ist. Man braucht sich heute in Österreich vor den Monarchisten nicht mehr zu fürchten. Das bestätigt das Wahlergebnis von 1999, als Karl Habsburg mit der Christlich-Sozialen Allianz 1,5 Prozent der Stimmen erhielt.

Damit kann man die Trauerfeierlichkeiten dort belassen, wo sie die meisten auch sehen: als Reverenz an eine Person, dessen Familie für Österreich eine große Rolle gespielt hat. Außerdem kommt eine Beerdigung dem österreichischen Gemüt entgegen - man kann trauern, remineszieren, ausstaffieren und vor allem ein Glaserl auf den Verblichenen heben.