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Kein Einlenken im Grenzstreit

Von Sissi Eigruber

Politik

Die bilateralen Verhandlungen um den Grenzverlauf zwischen Kroatien und Slowenien haben bisher keine Einigung gebracht, der Konflikt soll daher auf internationaler Ebene gelöst werden, fordert die kroatische Regierung in einer Verlautbarung. Bisher habe sich Kroatien gegenüber den slowenischen Grenzvorfällen mit "maximaler Bescheidenheit" gezeigt, so der Text des Statements, der im Rahmen der Abschiedspressekonferenz des kroatischen Botschafters in Österreich verlesen wurde.


Seit der Unabhängigkeitserklärung der ehemaligen jugoslawischen Teilstaaten Kroatien und Slowenien ist ein Teil des Grenzverlaufs an Land und auf See umstritten. Benzin ins Feuer goss vergangen Mittwoch der Vorsitzende der nationalistischen Slowenischen Volkspartei (SLS), Janez Podobinik, der mit einer Gruppe Slowenien im strittigen Bereich die Grenze ohne Dokumente überschritt und daraufhin angeblich von kroatischen Grenzpolizisten attackiert wurde. Eine Provokation, die kurz vor den slowenischen Parlamentswahlen am Sonntag, den 3. Oktober, für entsprechende Schlagzeilen sorgte. Kroatien wolle daher noch die Wahlen in Slowenien abwarten, doch wenn auch danach keine Einigung möglich sei, solle die Angelegenheit vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht werden, erklärte der kroatische Botschafter in Österreich, Draen Vukov Coliæ: "Wir nehmen jedes Urteil an. Dann wird dieses Kapitel endlich geschlossen".

Eine Vorgangsweise, die bei der EU auf keine Gegenliebe stoßen dürfte. "In der Europäischen Union werden Konflikte und Unstimmigkeiten mittels Dialog gelöst. Es ist normal, dass EU-Länder und solche, die es werden wollen, Probleme haben, aber sie müssen sie mit Gesprächen erledigen", sagte der EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana nach Angaben der kroatischen Tageszeitung "Vjesnik" am Montag am Rande eines Besuchs bei slowenischen Politikern.

Von der Verlegung der Grenze wären drei Dörfer mit insgesamt rund 30 Einwohnern betroffen, sagte Coliæ. Zudem würde Kroatien in seiner direkten Seegrenze mit Italien - einem äußerst wichtigen Handelspartner - beschnitten, betonte der Botschafter. Er war vier Jahre in Österreich tätig und wird sein Amt künftig in Bulgarien ausüben. Sein Nachfolger in Österreich soll in Kürze bekannt gegeben werden.