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Kein Ende der internationalen Baisse

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Der Wiener Aktienmarkt konnte sich in der dritten Septemberwoche der anhaltenden Baisse der Wall Street und der europäischen Börsen nicht entziehen und hat ebenfalls deutlich an Boden verloren. Die Märkte am alten Kontinent befinden sich sogar vielfach auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. Verantwortlich für den anhaltenden Abwärtstrend waren einmal mehr die schlechten US-Wirtschaftsdaten und die vom Irak-Konflikt ausgehenden Unsicherheiten.


Obwohl sich der Irak bereit erklärt hat, wieder Waffeninspekteure der Vereinten Nationen ins Land zu lassen, droht die amerikanische Regierung nach wie vor mit militärischen Aktionen gegen den Irak. Die Kapitalmärkte reagierten auf derartige Unsicherheiten höchst sensibel und ließen die Kurse weiter in den Keller purzeln. Die nach unten drehende Spirale wird auch noch dadurch verstärkt, dass die Aktienquote in vielen Portfolios weiter reduziert wird. Vor diesem äußerst ungünstigen Hintergrund kamen auch an der Wiener Börse die Kurse stärker unter Druck, wenngleich die Abwärtsentwicklung von relativ geringen Umsätzen getragen war. Mit einem Tagesdurchschnitt von rund 31 Mill. Euro wurde in der Berichtswoche um fast 40% weniger umgesetzt als im Durchschnitt des bisherigen Jahresverlaufes. Die ausgeprägte Trostlosigkeit ließ jedenfalls das Kursniveau auf ein seit 10 Monaten nicht mehr verzeichnetes Niveau absinken.

Der Leitindex ATX schloß die Berichtswoche mit 1.070,87 Zählern nur knapp über dem Jahrestief (1.069,28) und um 3,41% unter dem Vorwochenschluss. Seit Jahresbeginn hat der ATX bereits 6,1% eingebüßt. Der WBI als Indikator für den Gesamtmarkt schwächte sich im Wochenverlauf um 2,44% auf 450,25 Punkte ab, was ebenfalls ein neues Jahrestief bedeutet. Im Vergleich dazu ist die Deutsche Börse um fast 10% eingebrochen und befindet sich nun um über 40% unter dem Niveau vom Jahresanfang. Der prime market der Wiener Börse stand unter einem massiven Druck, sodass drei Viertel der Aktien Kurseinbußen zu verzeichnen hatten. Dabei sind zahlreiche Werte auf neue Jahrestiefstkurse zurückgefallen. Die erst seit Juni vergangenen Jahres gelistete CLC ist gleich um 41,9% eingebrochen. Die Aussicht, dass das Unternehmen heuer mit einem Minus im Ergebnis abschließen wird, hat offensichtlich den Druck auf die Aktie verstärkt. Auf ein neues Allzeittief abgestürzt ist auch VA Tech (-6,9%), die auch voestalpine (-9,3%) mit nach unten gezogen hat. Voestalpine hält knapp 20% an VA Tech und hat die Aktie bereits stark abgewertet. Jeder Rückgang der VA Tech löst aber unweigerlich weiteren Abwertungsbedarf aus. VA Tech selbst hat mit Problemen der Sparte Wassertechnik zu kämpfen, die saniert und möglicherweise verkauft wird. Deutliche Kursrückgänge mussten auch Erste Bank (-7%), SW Umwelttechnik (-5%), Wolford (-4,5%) und Agrana (-4,2%) hinnehmen. Eine Reihe weiterer Aktien schwächte sich um bis zu 4% ab. Der Abwärtstrend machte vor kaum einer Aktie halt, egal ob das Unternehmen bessere oder schlechtere Ertragszahlen auszuweisen hat. Fundamentale Gründe können kaum schuld sein an der negativen Kursentwicklung. Kurserhöhungen waren eher die Seltenheit, die außerdem eng begrenzt waren. Leicht positiv waren vor allem BWT, JoWooD, Wienerberger, Jenbacher und BBAG.

Im standard market continuous gab es nur geringe Kursausschläge von einigen wenigen Cent. Im standard market auction stürzten Viso-Data um 69,8% und HTA Beteiligungs Invest um 44,4% ab. Empfindliche Kursrückgänge verzeichnen auch Grass (-24,3%) und Agra Tagger (-20%).

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse".