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Kein Ex-Minister für die EVN

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Ernst Strasser wird nicht Chef des niederösterreichischen Energieversorgers EVN, erklärte gestern der Vorstandsvorsitzende Rudolf Gruber im Rahmen der Bilanzpressekonferenz. Gruber wird seinen Vorstandsposten zwar bei der EVN-Hauptversammlung am 19. Jänner 2005 zurücklegen, der Nachfolger wurde aber noch nicht genannt. Die Neubesetzung des Vorstandsposten werde im Rahmen des gesetzlich vorgesehenen Ausschreibungsverfahrens zu entscheiden sein, so Gruber.


Zu den Spekulationen um den Nachfolger des Innenministers und den neuen Posten von Ex-Innenminister Ernst Strasser kommen jetzt also auch Überlegungen über die Neubesetzung des Vorstandspostens bei der EVN. Strasser wird es nicht, und auch der niederösterreichische Finanz- und Umweltlandesrat Wolfgang Sobotka (V) hat auf Anfrage gemeint, dass er "keinesfalls" ein Kandidat für die EVN sei. Gruber selbst hat angedeutet, dass der Nachfolger direkt aus der EVN kommen könnte: Es gebe hervorragende Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften, die noch zu höherem Berufen seien. Gruber wird als Präsident in den Aufsichtsrat wechseln. Der Aufsichtsratschef, Theodor Zeh (70), wird seinen Posten bei der kommenden Hauptversammlung zurücklegen.

Die EVN konnte im Geschäftsjahr 2003/2004 Ergebnis und Umsatzerlöse deutlich steigern (siehe Grafik) und wird an die Aktionäre eine Dividende von 95 Cent je Aktie (nach 75 Cent im Vorjahr) auszahlen. Für die weitere Entwicklung des Unternehmens werde vor allem die zunehmende Internationalisierung sowie die Zukunft der Partnerschaften im Rahmen der "Österreichischen Lösung" für Strom und Gas (ÖSL) sein, erklärte Gruber.

Österreichische Stromlösung: "Eigentümer sind gefordert"

Die Österreichische Stromlösung liege fertig auf dem Tisch, "aber wir können den Verbund nicht dazu zwingen, zu unterschreiben", sagte Gruber. Es sei bedauerlich, dass diese Kooperation zwischen Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag) noch nicht zum Abschluss gebracht wurde. Die ÖSL sei nun ein Thema des für Energiefragen zuständigen Wirtschaftsministers Martin Bartenstein und von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Die Landeshauptleute hätten sich für das Zustandekommen der ÖSL ausgesprochen. Die EVN gehört zu 51% dem Land Niederösterreich, der Verbund zu 51% der Republik Österreich.

Gruber: Strompreis wird weiter steigen

Dass der Strompreis gesenkt werden soll, sei "reines Wunschdenken". Allgemein gehe man von steigenden Strompreisen aus. Wo neue Kraftwerke gebaut werden, hänge stark von den Rahmenbedingungen ab und die seien in Österreich "nicht wirklich gut", sagte Gruber und verwies auf die langen Genehmigungszeiten und das "kraftwerksfeindliche Emissionszertifikate-System. Der Bau neuer Kraftwerke werde allerdings notwendig sein, da es in Europa viele alte Kraftwerke gebe und zudem neue Stromkapazitäten benötigt würden. Die EVN, die in Bulgarien zwei Stromverteilunternehmen gekauft hat, könnte dort auch in die Produktion einsteigen. Es sei Kohle vorhanden, und es gebe auch Ausbaupotenzial für die Wasserkraft.