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Kein Garten ohne Wasser

Von Christina Mondolfo

Reflexionen
© Jakel

Teichanlagen, Bäche, Kaskaden und Brunnen haben seit jeher einen hohen Stellenwert in der Gartenkunst. Die glatte Oberfläche stehender Gewässer schafft durch Spiegelung eine neue Dimension in der Wahrnehmung, der gleichmäßige Klang fließenden Wassers hat eine meditative, beruhigende Wirkung. Wasser erzeugt außerdem ein positives Mikroklima, in dem viele Pflanzen hervorragend gedeihen.


Kein Garten ist zu klein, um Wasser integrieren zu können - es kommt dabei aber auf die Wünsche der Benutzer an. Wer Wasser lediglich als gestalterisches Element einsetzen will, der wird mit einem normalen Teich, einem Wasserbecken oder sogar nur mit einem Brunnen zufrieden sein. Wer schwimmen will, der wird um einen Pool oder einen Schwimmteich nicht herumkommen. In diesem Fall ist die Größe des Gartens sehr wohl ein wichtiger Aspekt.

Natur erleben. Besonders naturnahe Bade- oder Schwimmteiche sind seit einigen Jahren sehr gefragt. Sie sind nicht nur attraktiver als ein Pool, sondern auch pflegeleichter, wenn sie professionell angelegt sind. Sie schaffen mit ihrer Bepflanzung einen natürlichen Lebensraum für viele Tiere. Was nachher wie ein natürlicher Teich aussehen soll, ist aber ökologisch ein komplexes System und bautechnisch ein anspruchsvolles Unterfangen. Nur Fachleute kennen sich mit der Wasserqualität, planerischen und bautechnischen Anforderungen wie Abmessungen, Wandausbildungen, Bodenbelägen, Uferrändern, Stegen, Ein- und Ausstiegen oder Sprunganlagen aus und bauen somit Enttäuschungen vor. Der Schwimmteich sollte optimal in die Umgebung eingepasst und harmonisch mit anderen Gartenelementen verbunden sein. Natursteine, kleine Wasserläufe, eine abwechslungsreiche Flora und möglichst viele unversiegelte Flächen unterstützen die natürliche Atmosphäre, die ein Schwimmteich im Garten verbreitet.

Optisch holt ein Schwimmteich ein Biotop in den Garten und liefert Tieren, denen an traditionellen Swimming-Pools die Lebensgrundlage fehlt, einen wichtigen Lebensraum: In der dekorativen Randbepflanzung summen die Insekten, verstecken sich Frösche und über dem Wasser schwirren Libellen in der Sommerhitze. Vor allem für Kinder ist die Anlage eines Schwimmteichs ein Paradies: Nichts geht im Sommer über Badefreuden im eigenen Garten! Kinderfreundliche, flache Ufer laden zum Toben und Plantschen ein, gleichzeitig kann man am Teich die Wunder der Natur beobachten und miterleben, wie sich etwa aus Kaulquappen kleine Frösche entwickeln.

Eine Frage der Größe? Bezüglich der Größe eines Schwimmteiches meint Frank Timmermann von Grünbau Jakel: "Es gibt durchaus interessante Konzepte für Tauchbecken, die mitsamt den Randzonen nur zehn bis 25 Quadratmeter messen. Das sind aber die Ausnahmen. Um wirklich schwimmen zu können, sollte der Schwimmbereich mindestens acht Meter lang und etwa drei bis vier Meter breit sein. Mit den dazugehörigen Filterzonen kommt man bei entsprechender technischer Unterstützung auf rund 50 Quadratmeter Mindestgröße. Dabei gibt es in der Regel einen gemauerten Schwimmbereich."

Aber auch für naturalistisch gestaltete Zierteiche empfiehlt Jakel eine Größe von rund 50 Quadratmetern: "Bei kleineren Anlagen kann sich keine biologische Stabilität entwickeln und der Teich wird extrem pflegeaufwendig." Soll dennoch unbedingt ein kleiner Teich den Garten verschönern, dann besteht die Möglichkeit eines formalen gemauerten Beckens mit einer Wassertiefe von 80 bis 100 Zentimeter. "Damit vermeidet man veralgte Seichtbereiche. Das Becken selbst kann sowohl ebenerdig gebaut sein oder rund 40 Zentimeter aus dem Boden ragen. Das ergibt gleich eine schöne Sitzgelegenheit. Auf jeden Fall muss immer die Proportion zum Haus und zum übrigen Garten stimmen."

Lagebestimmung. Allein schon wegen der Wassertemperatur sollte der Schwimmteich zumindest einige Sonnenstunden täglich abbekommen. Auch die Pflanzen, allen voran Seerosen, sind dafür dankbar. Ansonsten gilt es, gestalterische Ansätze festzulegen: "Der Teich direkt beim Haus oder der Terrasse hat ebenso seinen Reiz wie ein Teich, vielleicht sogar mit Wasserspiel, als Blickpunkt im hinteren Bereich des Gartens. Interessant sind auch leicht geneigte Lagen, in denen man das Wasser auf verschiedenen Ebenen, eventuell sogar mit einem Wasserfall, inszenieren kann", so Timmermann.

Grüne Helfer. Neben der Schwimmzone haben Badeteiche eine Filter- oder Regenerationszone, die mit Sumpf- und Uferpflanzen einen fließenden Übergang zur Uferbepflanzung bildet und für die Selbstreinigung des Gewässers sorgt. "Es gibt eine Anzahl von Pflanzen, die gestalterisch zwar eher unscheinbar sind, aber eine wichtige Funktion für die Wasserreinigung und die Sauerstoffanreicherung spielen. Dazu gehören etwa Unterwasserpflanzen wie das Hornkraut oder das Tausendblatt. Auch Seerosen sind nicht nur ausgesprochen malerische Pflanzen, sondern sie bieten wasserreinigenden Mikroorganismen einen idealen Lebensraum. Ergänzend können natürlich auch andere attraktive Pflanzen gesetzt werden, die in erster Linie dem Gefallen des Teichbesitzers dienen. Die Auswahl sollte man jedoch auch nach den Wasserwerten und anderen Standortbedingungen treffen", erklärt Timmermann.

Im Angebot finden sich etwa Wasserhyazinthen, Schwimmfarn, Sumpfdotterblume, Blutweiderich, Japanische Schwertlilie, Schilf, Seggen und verschiedenste Rohrkolbengewächse.

Fische. Die Frage nach Mitschwimmern in Form von Fischen ist nicht unproblematisch, wie der Fachmann ausführt: "Grundsätzlich ist ein Fischbesatz wegen der zu erwartenden Verschmutzung schon problematisch. Außerdem ernähren sich Fische räuberisch - auf ihrer Speisekarte stehen wasserreinigende Teichorganismen und das stört wieder das biologische Gleichgewicht", führt Timmermann aus. "Mit der entsprechenden Filtertechnik kann man das aber in den meisten Fällen in den Griff bekommen. Und letztendlich sind auch Teichgröße und die Anzahl der Fische wichtig."

Details. Die gestalterische Kunst liegt aber nicht nur in der Technik, sondern auch im Detail. Eine geschickt angeordnete Rand- oder Unterwasserbeleuchtung zaubert abends tolle Effekte, Steinlaternen, Stege oder Skulpturen setzen Akzente. Ein kleiner Bachlauf bringt zusätzliche Bewegung: "Ein Wasserlauf wird meist über ein unterirdisch angelegtes Wasserreservoir mit einer Pumpe im Kreislauf betrieben. Zum allgemeinen Reiz des Wassers kommt hier noch die akustische Komponente dazu, die vom rauschenden Wasserfall bis zum leise plätschernden Rinnsal reichen kann. Stilistisch können Wasserläufe naturnah mit Findlingen ausgestattet oder architektonisch mit bearbeiteten Natursteinen oder Edelstahl designt werden. Kontrastreicher Stilmix ist durchaus legitim, solange er gekonnt und stimmig umgesetzt wird", bricht Timmermann eine Lanze für den Einsatz von Wasser im Garten.

Info

Grünbau Jakel GmbH.

Adressen: 1220 Wien, Haffnergasse 4

2232 Deutsch Wagram,

Franz Mairstraße 47

Telefon: 02247/2587-0

Internet: www.jakel.at

Buchtipp I.

Sie haben zwar einen Teich im Garten, aber die Freude damit hält sich in Grenzen? Man muss einen bestehenden Teich nicht zuschütten und einen neuen ausheben, um seine Vorstellungen zu verwirklichen, kleinere oder größere Änderungen reichen meist aus. Was alles möglich ist, zeigt ein anschauliches Buch des Gartenexperten Peter Hagen: Ob es nun ein kleiner Bachlauf sein soll oder ein Wasserspiel, Wege um und über den Teich, Dekorationen, eine effektvolle Beleuchtung oder neue bzw. andere Pflanzen, alles wird gut beschrieben und ebenso bebildert. Hilfestellung bei den am häufigsten anfallenden Problemen wird ebenso geboten wie ein Überblick über die notwendige Technik. Gut aufgemacht und sehr informativ!

"Gartenteiche optimieren und renovieren" von Peter Hagen, Ulmer Verlag,

ISBN 978-3-8001-5740-2, 15,40 Euro

Buchtipp II.

Wer weder Zeit noch Lust hat, alljährlich seinen Pool zu reinigen, zu füllen und zu chloren, der kann stattdessen einen Schwimmteich anlegen. Biologisch selbstreinigend und aufgrund fehlender Chemie für Mensch und Tier gleichermaßen geeignet, gilt es dennoch, auf gewisse Vorgaben zu achten. Wie die aussehen, erklären Anna Dobler und Wolfgang Fleischer in einem ziemlich textlastigen, aber informativen Buch. Informationen über die Voraussetzungen, die Anlage und die Betreuung werden durch einen ausführlichen Pflanzenteil ergänzt. Die Fotoqualität allerdings leider nicht berauschend.

"Der Schwimmteich im Garten" von Anna Dobler/Wolfgang Fleischer, Orac Verlag, ISBN 978-3-7015-0517-3, 29,90 Euro