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Kein Geld für Impfverweigerer

Von WZ-Korrespondentin Barbara Backhausen

Politik

In Australien greift die Regierung hart gegen Eltern durch, die ihre Kinder nicht impfen lassen.


Sydney. In Deutschland drohen Politiker bereits mit Impfzwang, nachdem sich die Masern wieder ausgebreitet haben. In Kanada gesteht derzeit eine Mutter mit sieben ungeimpften Kindern, die allesamt an Keuchhusten erkrankt sind, reumütig ihre "Fehler" ein. Auch die benachbarten USA diskutieren seit einer Masernepidemie, die im Dezember und Jänner unter Besuchern des Vergnügungsparks Disneyland in Kalifornien ausgebrochen war, über den wachsenden Trend, Kinder nicht mehr zu impfen.

Auf der anderen Seite des Globus ist man hingegen schon einen gravierenden Schritt weiter. Wer sich in Australien gegen eine Impfung entscheidet, dem wird das vom Staat zwar auch künftig nicht verboten. Die betroffenen Eltern sollen aber auch keine staatlichen Sozialleistungen mehr erhalten wie einen Zuschuss für ärmere Familien oder eine Unterstützung bei den Kosten der Kinderbetreuung. Maximal können einer Familie knapp mehr als 18.000 Dollar (13.000 Euro) pro Jahr entgehen. Medizinische oder religiöse Gründe sind von den neuen Regelungen nach wie vor ausgeschlossen.

Betroffene Familien, die Impfgegner aus Überzeugung sind, werden die neuen Regulierungen in Australien harsch finden. Australische Ärzte begrüßen die neue Regelung dagegen. "Bei der Impfung von Kindern ging es nie nur um ein Kind und eine Spritze oder um das Recht von Eltern, für sich allein zu entscheiden", schreibt Dean Robertson, der als Notfallarzt im Bundesstaat New South Wales arbeitet, in einem Kommentar für die australische Tageszeitung "Sydney Morning Herald". "Es ist die Verantwortung einer Gemeinschaft und es ist diese Verantwortung, vor der sich die Eltern drücken. Beim Impfen geht es darum, alle unsere Kinder zu schützen."

Die Debatte ist in Australien voll entbrannt: Denn Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen aus Angst vor Impfschäden und weil Meinungen von Bekannten oder aus dem Internet sie verunsichert haben, führen genauso wie die Impfbefürworter das Kindeswohl ins Treffen. Soll also eine Regierung angesichts dieser Ausgangslage so sehr in die Familienstruktur eingreifen, dass sie eine Impfpflicht vorschreibt und den Eltern das Recht auf eine freie Entscheidung wegnimmt?

Andererseits sind gefährliche Erkrankungen wie die Diphtherie oder die Kinderlähmung nur aufgrund der Impfprogramme ausgerottet worden. Weitaus mehr Menschen ist so über die Jahrzehnte das Leben gerettet worden, als es Impfschäden gab. Impfgegner, deren Kinder nicht krank werden, ruhen sich damit - so die Argumenten der Befürworter - auf den Errungenschaften derer aus, die impfen.

Erkrankungen nehmen zu

Seit jedoch immer Eltern nicht mehr impfen lassen, steigen auch die Zahlen der Kinder an, die an unter Umständen tödlichen Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten erkranken. Auch die Regierung des konservativen Premierministers Tony Abbott entschied sich für ihre neue sogenannte "No Jab, No Pay"-Regulierung ("Keine Spritze, kein Geld"), nachdem die Zahl der unter Siebenjährigen, die nicht geimpft wurden, in den vergangenen zehn Jahren von 24.000 auf 39.000 Kinder angestiegen war.

Erst im März machte das Schicksal eines Babys in Australien Schlagzeilen, das in einem Krankenhaus in Perth starb, nachdem es sich mit Keuchhusten infiziert hatte. Kleinkinder, Schwangere und ihre noch ungeborenen Babys sowie ältere Menschen sind besonders gefährdet, an Krankheiten wie Masern, Windpocken, Keuchhusten, Röteln oder Mumps zu sterben oder schwere Behinderungen davonzutragen.