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Kein Geld zurück bei Klima-Spenden

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Vermeiden, begrenzen oder mit Geld kompensieren: CO2-Ausstoß bei Flügen. Foto: corbis

Betriebe können mit Umweltschutz ihr Image aufpolieren. | In der Schweiz steuerlich absetzbar. | Wien. Wer in den Urlaub nach Thailand fliegt, verursacht rund 1,4 Tonnen CO2-Ausstoß. Um diese Umweltbelastung zu kompensieren, müsste eine Person 28 Euro in den Umweltschutz investieren. Zu diesem Ergebnis kommen Online-CO2-Rechner, die von diversen Klima-Initiativen europaweit angeboten werden - seit ein paar Wochen auch von Climate Austria, einem Projekt der Kommunalkredit Public Consulting (KPC).


"Die freiwillige Kompensationszahlung wird von uns treuhändig verwaltet und dann an ausgewählte Klimaschutz-Projekte im In- und Ausland weitergegeben", berichtet Alexandra Amerstorfer, KPC-Geschäftsführerin. Zum Adressatenkreis zählt sie neben Privatpersonen vor allem Unternehmen: "Fuhrparks, Dienstreisen, Strom und Heizen stellen wesentliche Quellen für CO2-Emissionen dar", so Amerstorfer. Betriebe, die ihre Treibhausgasemissionen mit einem jährlichen Spendenbetrag ausgleichen, tun nicht nur der Umwelt etwas Gutes. Auch das Unternehmen selbst kann profitieren. So eignen sich Spenden für den Klimaschutz zum Beispiel auch als PR-Maßnahme. In Zeiten sozialer Verantwortung (CSR) würden nachhaltige Klima-Spenden bestens in das Leitbild der Profit-Unternehmen passen, betont Amerstorfer. Sie fügt hinzu, dass bereits einige energieintensive Betriebe in Österreich freiwillig davon Gebrauch machen.

Wer sich neben positiver Imagewerbung allerdings auch eine Steuerabsetzbarkeit erwartet, der wird enttäuscht.

Finanzamt spendet mit

Die Übergabe eines Geldbetrages ohne Gegenleistung zählt zwar als Spende, erklärt Monika Seywald vom Steuerberatungsunternehmen TPA Horwath. Allerdings als keine, die die Steuerlast minimiert. Für spendenwillige Unternehmen in Österreich sehe die Situation eher triste aus - bis auf wenige Ausnahmen. Abzugsfähig sind etwa Spenden an Kulturstätten wie Museen, die österreichische Nationalbibliothek und das Bundesdenkmalamt sowie universitäre Einrichtungen.

Zusätzlich führt eine Liste des Finanzministeriums mehr als 350 begünstigte Spendenempfänger an. Wer für diese Gelder locker macht, bekommt Steuern vom Finanzamt retour. Keine Begünstigungen gibt es hingegen bei Spenden für humanitäre oder ökologische Projekte.

Schlupfloch Sponsoring

Viele suchen daher nach Umgehungslösungen - sowohl Spender als auch Spendenempfänger. Seywald berichtet, dass Unternehmen oftmals "das Schlupfloch Sponsoring" nützen. Denn Veranstaltungen mit denen eine Werbewirksamkeit verbunden ist, seien sehr wohl absetzfähig.

Und Florian Bittner vom Österreichischen Institut für Spendenwesen erzählt von Organisationen wie Global 2000 oder dem Wiener Roten Kreuz, die eigene Forschungsinstitute gegründet haben. "Auch Spendengelder, die in die Forschung fließen, sind steuerlich absetzbar", erläutert Bittner. Der Spendenexperte setzt sich seit Jahren für eine "Ausweitung der Steuerabsetzbarkeit" ein. Nach seiner Einschätzung zählt Österreich neben Finnland zu den einzigen Ländern, in denen Spenden nur in Ausnahmefällen steuerlich begünstigt sind.

Die Liste der häufigsten Spendenempfänger 2007 führten Kinder an, gefolgt von Tieren und Katastrophenopfern. Aber auch der Umweltschutz ist laut Bittner in der Spendenlandschaft stark im Kommen. Zahlungen von CO2-Kompensationen ordnet er in diesen Bereich ein.

Die Idee, sogenannte Klima-Spenden in Zukunft ebenfalls steuerabzugsfähig zu machen, unterstützt Bittner. Allerdings sieht er bei den "noch sehr jungen Initiativen" auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. "Die Spendenempfänger in Österreich sind üblicherweise Non-Profit-Organisationen, meist mit dem Spendengütesiegel versehen", sagt der Experte. Wenn aber kommerzielle Unternehmen für Spenden werben, wittert er dahinter "mehr Eigennutzen und weniger soziale Motive".

Anders sieht die Situation in der Schweiz aus. Auch dort bieten Initiativen wie etwa Myclimate innovativen Klimaschutz gegen Geldspenden an. Dahinter steckt ein gemeinnütziger Verein. Und Spenden an einen gemeinnützigen Verein - egal ob für Mensch oder Natur - sind im Nachbarland Schweiz sehr wohl steuerlich absetzbar.