Zum Hauptinhalt springen

Kein G´riss um diesen Job

Von Walter Hämmerle

Kommentare

Es gibt weiß Gott angenehmere Jobs im Leben eines ÖVP-Politikers als den an der Spitze des Österreichischen Arbeitnehmer-Bundes (ÖAAB). Auf der negativen Hitliste rangiert wohl nur noch der Landesparteichef in Kärnten weiter oben. Und das obwohl der Arbeitnehmerbund laut eigenen Angaben über 190.000 Mitglieder verfügt - und damit zahlenmäßig die stärkste ÖVP-Teilorganisation ist. Nur politisch findet das keinen Niederschlag.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Nun steht in knapp sechs Wochen, genauer gesagt am 13. Oktober in Stockerau, der ÖAAB-Bundestag an. Und alle Augen richten sich auf die Frage: Wer wird künftig an der Spitze des schwarzen Arbeitnehmerflügels stehen: Schafft Beamtengewerkschafter und Amtsinhaber Fritz Neugebauer die Wiederwahl oder versucht man mit einem neuen Gesicht den Weg aus der seit Jahren schwelenden Sinnkrise? Hinter verschlossenen Türen werden verschiedene Szenarien gewälzt. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass sie weit entfernt von einer Win-Win-Situation sind.

Viel spricht deshalb aus heutiger Sicht dafür, dass Neugebauer am 13. Oktober noch einmal antritt. Er selbst sagt zur "Wiener Zeitung": "Aus derzeitiger Sicht stehe ich zur Verfügung". Entschieden ist damit freilich noch nichts. Anfang September werden sich die neun Landesobleute zusammensetzen und versuchen, eine einheitliche Linie zu finden. Einflussreicher Koordinator ist hier Oberösterreichs Landesobmann Franz Hiesl. Formal zuständig für die oberste Personalie ist eine Wahlvorschlagskommission, die in der dritten oder vierten Septemberwoche zusammentreten wird.

Neugebauer ist intern nicht unumstritten. Zwar gilt er als hervorragender Lobbyist im Dienste der Beamten - rund die Hälfte der ÖAAB-Mitglieder gehören diesem Stand an -, doch seine politische Anziehungskraft auf normalsterbliche Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft ist überschaubar.

Die Kritiker haben allerdings das Problem, dass sich keine wirkliche Alternative aufdrängt. Das verwundert auch nicht, hat sich doch bisher der ÖAAB-Chefsessel als Karriere-Einbahnstraße erwiesen. Zu schnell verbrennt man politisch als Kämpfer für Arbeitnehmer in der Wirtschafts- und Bauernpartei ÖVP. Für jüngere Semester birgt der Job daher die Gefahr, dass die eigene Polit-Karriere schneller vorbei sein könnte, als einem selbst lieb ist.

Also mit Neugebauer, der drei Tage vor dem Bundestag seinen 63. Geburtstag feiert, weitermachen? Angesichts der jüngsten Umfragewerte des Chefs kommt da keine Begeisterung auf.

Deshalb kursieren auch Überlegungen für einen Kompromiss: Neugebauer tritt an, wird auch gewählt, übergibt aber nach zwei Jahren - und damit rechtzeitig vor den kommenden Nationalratswahlen - an einen Jüngeren. Toller Plan, nur für die zweite Hauptrolle gibt es nicht die Spur eines Kandidaten. Von einer Kandidatin gar nicht zu reden - der ÖAAB verfügt nämlich auch über eine erhebliches Frauendefizit.