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Kein Grund für höhere Gaspreise

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Für Preiserhöhungen beim Gas gibt es nach Ansicht des Chefs der Energie-Control, Walter Boltz, keinen Grund. Die Einstandspreise für die Gasversorger seien nicht höher als vor einem Jahr. Eine Gaspreissenkung steht ab 1. Jänner jedenfalls den Grazern bevor. Die Grazer Stadtwerke werden dann den Gaspreis an jenen der Steirischen Ferngas anpassen. Potenzial für Reduktionen sieht Boltz bei den Netztarifen, vor allem bei den Spitzenreitern Salzburg AG, Begas und Kelag.


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In Österreich gibt es rund 950.000 Gaskunden. Die Hälfte sind jedoch Kleinstabnehmer mit lediglich einem Gasherd, für sie kommt ein Versorgerwechsel überhaupt nicht in Frage. Seit der Liberalisierung im Oktober ist der große Wechsel-Boom ausgeblieben. Erst 800 Kunden haben sich für einen neuen Gaslieferanten entschieden, darunter sind rund 20% Haushalte. Boltz rechnet allerdings damit, dass Haushalte mit großem Verbrauch die Preise vergleichen und noch wechseln werden. Sollte der Ölpreis nicht weiter stiegen, sieht er beim Gas keinen Erhöhungsbedarf: "Ich hoffe, dass das Kundendenken überwiegt und die Preise gleich bleiben." Auch die oft kritisierten Kosten für die Gasmarktliberalisierung würden einen solchen Schritt nicht rechtfertigen. "Denn diese Kosten sind in den Netztarifen enthalten." Und diese sind für Boltz noch zu hoch. Im nächsten Jahr werden deshalb die Netzgebühren aller Versorger unter die Lupe genommen. Er wittert ein Sparpotenzial zwischen 15 und 20%, vor allem bei den Tarif-Spitzenreitern.

Econgas-Vereinbarungen

Keine Auswirkung auf das Massenkundengeschäft befürchtet Boltz durch die Econgas. Der Zusammenschluss von OMV, Wiengas, EVN, OÖ Ferngas und Linz AG ist rein auf Großabnehmer mit einem Jahresverbrauch von mehr als 500.000 m³ spezialisiert. Die Gaslösung ist kartellrechtlich genehmigt. Zufrieden ist der Regulator mit der Vereinbarung, dass außenstehende Ferngasgesellschaften 20% ihrer Gasabnahmeverpflichtung dem Generalimporteur OMV wieder zurückgeben können. Diese Mengen müssen am Gashub Baumgarten versteigert werden, wobei die Econgas-Partner nicht mitmachen dürfen. Zusätzlich muss die Econgas jährlich 250 Mill. m³ Gas versteigern. Sinn und Zweck dieser Auflagen ist es einen Gashandel jenseits der bestehenden Strukturen aufzubauen.

Boltz erwartet, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre der Verbrauch um 30% zunehmen wird. Auch sieht er die Chance für Österreich im Gasgeschäft eine größere Rolle zu spielen, denn die durchgeleiteten Mengen sind 8-mal mehr als der Eigenverbrauch, der bei 7,6 Mrd. m³ liegt. Ausschlaggebend sei eine neue EU-Richtlinie, die nächstes Jahr vorliegen soll.